verfasst von Felix Herzbach am 9. Februar 2010
Der erste Gastbeitrag ist da! Herzlicher Dank geht an den Schöpfer Torben Mittelhorn (Pseudonym). Ich hoffe es bleibt nicht sein letzter Beitrag. Hervorhebungen und Tags stammen von mir. Gerne veröffentliche ich auch Deinen Gastbeitrag. Schreib’ mir einfach via info@diesedomain… ;-) So jetzt aber viel Spaß mit Torbens Text:
Dieses Thema ist wirklich überfällig, denn ich werde ständig damit konfrontiert und ich wette, es geht Dir nicht anders. Zumindest wenn Du einige Vorschläge dieses Blogs versuchst umzusetzen. Aber vielleicht ist es ja ein noch größeres Problem, nämlich: Je stärker der eigene Lifestyle abweicht, desto heftiger die (uU ablehnenden) Reaktionen anderer Menschen. So wird das Gespräch über den eigenen neuen Lebenswandel häufig zum Spießrutenlauf. Der Gesprächspartner hat Verlustängste, Veränderungsängste und tausend weitere Ängste und bringt sie in aller Regel auch zum Ausdruck. Jedes Mal, wenn ich versuche meinen Lebensentwurf zur Diskussion zu stellen, werden mir Vorwürfe gemacht. Es heißt ich sei…
Das ist schlicht falsch und nervt und deshalb schreibe ich diesen Text. Denn für mich steht fest: Welt- und Selbstverbesserung sind keine Gegensätze, sondern können miteinander vereinbart werden. In Deutschland lieben wir es, über die Welt und Ideale und so zu reden. Geradezu messianische Hoffnungen werden an diesen niedlichen Mythos der Weltverbesserung geknüpft. Man soll Bio-Essen verzehren, fein Spenden und am besten in die Kirche gehen. Das stinkt mir!
Was bilden sich eigentlich diese ganzen Leute ein, die mir Bio-Fraß in den Mund stopfen und mich zum Beten bringen wollen? Wir können uns ja über Lebensentwürfe unterhalten, so wie es auf dieser Website und anderswo passiert. Aber muss denn jeder gleich BE- und Sekunden später VERurteilen? Ich kann mir halt kein Bio-Essen leisten. Entschuldigung, aber das ist einfach nicht drin und damit wende ich die Welt sicherlich nicht zum schlechten. Viel wichtiger ist doch, dass ich zB weniger Fleisch esse, weniger Energie verbrauche, glücklich bin, meine Mitmenschen glücklich mache und langfristig ein Leistungsträger in dieser Gesellschaft bin. Wenn man den klugen Spruch “Think global, act local” ernst nimmt, dann muss man sich auch nicht so sehr um Klimaerwärmung, Kriege usw. kümmern. Natürlich entscheide ich mich damit für meine Knete und gegen Freilandhaltung von Hühner. Aber so ist dann eben meine Entscheidung und ich kann daran auch nichts Anrüchiges bemerken wenn, ja wenn meine Lebensbilanz am Ende meiner Tage doch positiv ist (und ich hoffe doch, sie ist es heute schon; bzw. gehe davon aus).
Versteht mich nicht falsch, ich bin kein Unmensch und will auch, dass es in der Welt vorangeht. Aber dafür muss ich doch erstmal mein eigenes Umfeld in den Griff bekommen, Perspektiven entwickeln und und und. Und mich nicht ständig schuldig fühlen, dass ich nicht genug tue. Nochmal, um die Kernthese dieses Aufsatzes deutlich zu machen: Selbstverbesserung IST Weltverbesserung. Und zwar nicht nur im Smith’schen Sinne, dass wenn jeder an sich denkt für jeden gesorgt ist. So weit geht das dann auch nicht. Aber der Radius geht halt, was die täglichen Routinen anbelangt, nicht sehr viel weiter als die “local community” meiner Stadt, meiner Freunde, meiner Familie und Arbeitskollegen.
Insofern, wie gesagt, regt es mich auf, wenn Menschen, die andere Ziele in ihrem Leben haben, so über mich urteilen und gedankenlos die Losungen der großen Weltpolitik nachplappern. Ich finde, jeder sollte bei sich anfangen und hart an sich arbeiten. Da bin ich krass dafür. Aber doch bitte nicht andere Aburteilen, wenn sie sich eben anders entscheiden und verhalten oder einfach schwach sind. Kritik ist meines Erachtens nur dann gerechtfertigt, wenn man es erstens besser macht und zweitens der andere insgesamt Fehler macht bzw. sich a-sozial verhält, also Sozialnormen krass missachtet, mithin eher schädlich als förderlich für unsere Zivilisation ist. Nur dann ist Kritik gerechtfertigt. Denn sonst kann man das JEDEM vorwerfen, weil JEDER mehr tun könnte. Im Grunde genommen müsste man dann permanent arbeiten, sich selbst nichts gönnen und spenden. Das wäre im Sinne des Fortkommens der Weltzivilisation (im Vergleich zu Aliens oder zu wem auch immer wir da im Wettbewerb stehen… wenn überhaupt…) sicherlich das Beste. Aber das macht nichtmal der achsoheilige Papst. Und ich sowieso nicht. Sorry. Nein eigentlich nicht sorry…
Mein Gott, ich hoffe ich habe mich damit nicht um Kopf und Kragen geredet und hoffe auf Reaktionen,
Torben.
1 | Felix Herzbach
Ein wütender Text, den ich nachvollziehen, aber nicht uneingeschränkt teilen kann. Bin gespannt auf die Diskussion :)
2 | Kirill Ivanovich
Meine Mutter hat mir das mit auf den Weg gegeben, ich habe es jedoch erst seit kurzer Zeit verstanden. Ich stimme dir vollkommen zu, wer sagt mir (bzw. dir und anderen) welchen Moralvorstellungen wir zu folgen haben. Diese Hysterien (Terrorismus, Umweltschutz, gesunde Ernährung) macht die Gesellschaft unterwürfig, dank Angst auf bevorstehende Cellulitis, wird nur noch Joghurt mit 0,1% Fettanteil gekauft.
Ich hoffe ich schweife nicht zu sehr ab, ich habe gerade ferngesehen und geladen.
3 | TW
10 . Februar 2010 um 17:50 Uhr
Ein sehr interessantes Thema.
Wie der Beitrag richtig aufzeigt, ist m.E. das Wichtigste, eine positive “Bilanz” zu haben. Natürlich darf ich umweltschädliche SUVs oder Sportwagen fahren. Damit die Ressource “Gute Luft/keine Treibhausgase” (die für den einzelnen erstmal unbegrenzt zur Verfügung steht) entsprechend ökonomisch richtig einbezogen werden kann, muss ich darauf natürlich entsprechen hohe Steuern für die Allgemeinheit zahlen. Wenn ich dazu aber bereit bin, sollte ich dies unbegrenz tun dürfen – solange meine “Bilanz” positiv bleibt, d.h. ich nicht in allen Punkten gemeinschaftschädlich (und natürlich damit auch mir selbst schädigend) agiere und so zum Sozialschmarozer werde.
Dann gibt es m.E. noch einen zweiten Punkt: Die Würde der anderen Menschen gebietet Einschränkungen. So halte ich es nicht für vertretbar, die Organe anderer – armer – Menschen zu kaufen oder Kranke/Behinderte nicht (durch den Staat) zu unterstützen.
Alles andere ist – so liberal muss eine Gesellschaft sein – meine Sache.
4 | Robin
14 . Februar 2010 um 22:27 Uhr
Moin,
das ist tatsächlich ein recht aufgebrachter Text. Nachvollziehen kann ich deine Gedanken allerdings noch nicht. ICh verstehe zum beispiel noch nicht was eine diese “Bilanz” sein soll: Wer stellt diese auf, woher bekommst du einen sinnvollen Anhaltspunkt und eine Perspektive dafür ab wann du im positiven Bereich bist. Ist dafür nicht immer der Versuch erforderlich uns auf die Einschätzungen und Meinungen unseres Umfeldes und der Medien zu reagieren? Heist das nicht auch das manchmal schmerzhaft Kritik ertragen müssen?
Der zweite Punkt ist, dass Kritik doch sehr wohl auch von Menschen geäussert werden kann, die etwas “nicht besser machen”, oder? Solange der Kritiker ein Bewusstsein für sein eigenes Fehlverhalten hat und auch selbst versucht “eine Verbesserung” herbei zu führen, darf er dich doch auch auf Schwächen von dir hinweisen oder?
Du sagst auch so etwas wie “solange man sich nicht total daneben benimmt” quasi nicht der allerletzte Assi ist, sollte man nicht kritisiert werden, kann ich deine Begründung nicht nachvollziehen. Wird nur ein “total Assi Verhalten” toleriert, dann musst du dich selbst doch mit totalem Mittelmass zufrieden geben, oder?
“Denn sonst kann man das JEDEM vorwerfen, weil JEDER mehr tun könnte” – genau darum geht es ja. Wir alle können mehr tun und nur deshalb ist es auch sinnvoll “hart an sich (zu)arbeiten” und wie willst du deine eigenen Schwächen finden wenn du dabei nicht auf die Kritik von Aussen eingehst?
:)
5 | Sophia Meerbaum
14 . Februar 2010 um 23:19 Uhr
Meine persönliche Meinung ist, dass niemand gut finden muss, was ich denke, sage und mache, aber ich umgekehrt dann eben mit der Reaktion meines Umfeldes klar kommen muss.
Es zwingt dich niemand deinen Lebenswandel überhaupt zur Diskussion zu stellen, wenn du es aber trotzdem tust, dann musst du damit leben, das andere deinen Lifestyle eben nicht mögen und das auch zum Ausdruck bringen. Über einen solchen Input von aussen kann man sich natürlich aufregen, man kann statt dessen das ganze aber auch für sich selbst reflektieren und unter Umständen sogar neue hilfreiche Erkenntnisse dabei gewinnen.
In Bezug auf dein Beispiel mit den nicht Artgerecht gehaltenen Hühnern sind es doch gerade unsere sozialen Normen, nämlich, dass das Quälen von Lebewesen asozial ist, die andere dazu veranlassen Menschen zu kritisieren, die Tiere oder Tierprodukte konsumieren, bei dem die Tiere unter schlechten Bedingungen gehalten werden, damit widersprichst du dir im letzten Absatz also selbst.
Für eine Illusion halte ich, dass Selbstverbesserung gleich Weltverbesserung bedeutet, dazu wäre zunächt einmal zu definieren, wo den ein Optimum für “die Welt” läge, damit jeder für sich selbst zum Erreichen dieses Optimums beitragen kann. Wenn ich nicht weis, wo das Ziel liegt, wie merke ich denn dann, ob ich mich mit meinen persönlichen Verbesserungen darauf zu bewege oder mich davon entferne?
Ich wage sogar zu behaupten, dass es Verhaltensweisen gibt, die solange nur Teile der Bevölkerung sich so verhalten für die Gesamtbilanz positiv sind, sich aber fatal auswirken, wenn alle sich so verhalten. Balance ist das Stichwort und die komplette Weltbevölkerung ins Gleichgewicht zu bringen dürfte tendentiell unmöglich sein.
6 | dkt
17 . Februar 2010 um 08:56 Uhr
thumbs up. ein zutreffender text. wuerde sogar noch weitergehen und fordern, dass niemand über irgendjemand ein urteil abgeben darf (legitim). aber umso mehr muessen wir uns unabhaengig von urteilen intellektuell ueber den sinngehalt verschiedener lebenssysteme (”lifestyle”) unterhalten.
7 | Torben Mittelhorn
17 . Februar 2010 um 09:23 Uhr
.
Danke für’s Feedback, fühle mich insgesamt bestärkt.
.
Felix: wütend ist er, allerdings. An welcher Stelle weichen Deine Ansichten ab?
.
Kirill: ja, das Problem ist weitaus größer. Aber nur Du hast in der Hand zu entscheiden, ob Du das an Dich ranlässt.
.
TW: bilanzierung ist ein gutes Stichwort. Letztendlich geht es doch um eine Abwägung, die zunächst mal vom Einzelnen und nicht von der Gesellschaft vorgenommen wird. Das Maximum ist dann nur begrenzt vo politischen Konsens. Darunter geht alles. Viva Rechtspositivismus. Wieso checkt das eigentlich niemand umfassend? Und ja, klar Organspenden usw. sind auf jedenfall Grenzen. Und zwar nicht dispositive, sondern absolute Grenzen und wären mE auch dann einzuhalten, wenn es gar keinen Staat gäbe. Aber das ist bei weit weniger Sachverhalten der Fall, als man gemeinhin annimmt. Was erlaubt ist, ist erstmal erlaubt und im nicht von vornherein aus dem Handlungsarsenal zu entfernen.
.
Robin: wie gesagt jeder selbst stellt diese Bilanz auf. Begrenzt wird das dann nur durch das parlamentarisch verabschiedete Gesetz. Auf den Input der Medien, wie auch der Gesellschaft representiert durch Freunde usw. muss man nicht eingehen. Man kann es aber als Anregung verstehen. Nicht als schmerzhafte Kritik, aber als Stachel, der piekst und den man brechen muss. Und das macht man mit rechtfertigenden Argumenten. Nur so erhält man überhaupt ein gesundes Verhältnis zum eigenen Lebenswurf: Durch Verteidigung. Zu Recht äuft das in anderen Lebensbereichen (Dissertation, wissenschaftliche Idee, Produktidee usw.) auch nicht anders. Es hat sich bewährt. Aber nochmal: Zwischen nicht rabulistischer Verteidigung (= intellektuelle Beweisung der Richtigkeit der eigenen Position) und schmerzlicher Kritik liegen Welten. Dein zweiter Punkt hat auf jeden Fall Charme. Vielleicht hast Du Recht. Intellektuell darf er das natürlich. Aber er soll mich deshalb nicht schlechter behandeln, schlecht reden, ausgrenzen etc., sondern in Diskurs gehen. Das wäre wünschenswert. Naja, letztendlich kann man das niemandem vorschreiben und Menschen lassen sich auch nur schwerlic ändern. Sodass sich dann wiederum nur die Frage stellt, wie man auf solche Attacken reagiert.
.
Sophia: Kluge widersprechende Worte. Ich habe mich auch manchmal geärgert, meinen Lebensstil zur Diskussion zu stellen. Nein, eigentlich habe ich mich sogar sehr oft darüber geärgert und Nachteile erfahren. Trotzdem lohnt es sich regelmäßig, weil (wie oben in diesem Kommentar geschildert) nur so die Möglichkeit der Verteidigung besteht und man auch vor allem mit diesem mittel die eigene Willenskraft stärken kann. Habe eben 5 Minuten über Den von Dir beschriebenen Widerspruch bzgl. der Bio-Eier nachgedacht und konnte keinen erkennen. Mir ist die Tierhaltung ziemlich egal, meinetwegen könnte man Eier auch im Labor züchten oder doppelt so viele Hühner in Käfigen halten. Tiere sind keine Menschen und mir fern. Noch perverser als so eine Haltung zur Nahrungsproduktion finde ich die Haltung von Haustieren mit hohen Nachrungs- und Tierarzt- und Steuer- und Sonstwaskosten, während Menschen umkommen. Man sollte Haustiere verbieten und nur zu therapeutischen Zwecken erlauben. Alles andere ist amoral. Aber hey, wir leben ja in einer Demokratie, also wird es dazu nie kommen und das ist auch wieder gut so. Und ich bleibe dabei: Selbstverbesserung ist auch Weltverbesserung. Schon rein logisch, weil jeder Mensch Teil der Welt ist. Solange man also nur bei sich Gutes hinzufügt und Gutes schafft, ohne anderen mehr als das wegzunehmen (Stichwort Bilanz; vgl. TW), ist alles in Butter.
8 | Torben Mittelhorn
17 . Februar 2010 um 09:24 Uhr
dkt: exakt. Aber Urteile werde immer abgegeben und daher stellt sich eben die Frage, wie man sie bewertet.
9 | Robin
19 . Februar 2010 um 16:07 Uhr
Hey Torben,
danke für deine Antwort.
Die besagte Bilanz, die du im Extremfall ohne jeden äusseren Einfluss und nur im Einklang mit der rechtlichen Ordnung aufstellen willst ist mir weiter suspekt. Angenommen du stellst die Bilanz auf und kommst von ganz alleine auf ein paar Ansichten. z.B. Tiere liegen mir fern und ihr Zustand ist mir egal.
Diese Haltung (auch wenn es evtl. nur ein Beispiel ist) würde ich als ignorant klassifizieren und darausschliessen, dass du die Umstände der Tierhaltun oder Quälerei schlicht nicht kennst. Spitzen wir das Beispiel zu und behaupten wir es gäbe nur zwei Sorten Fleisch. Biofleisch und Fleisch von Tieren denen die Filets bei lebendigem Leib vom Körper geschnitten werden oder eine sonstige Abscheulichkeit. Ich denke eine solche Haltung “ist mir egal wie es dem Tier dabei geht” wäre dann, falls du nicht ein von Mitgefühl freier Mensch bist, nur solange haltbar oder vertretbar bis du einer Kritik von Aussen ausgesetzt wirst und dir jemand zeigt, was du bisher unterstützt hast und dass es sinnvoll wäre dein Verhalten zu ändern. Diese Kritik abzuwehren wäre dann nur möglich indem du dich auf eine vollkommen abweichendes Verständniss von Moral berufen würdest, denke ich und dann wäre die Frage ob diese Auffassung von Moral und ihr Bezug zu den Grundrechten noch im Einklang lägen mit dem juristischen Rahmen den du angesprochen hast.
oder?
@Sophie: deinen Widerspruch habe ich auch noch nicht verstanden. oder doch ? ähhh
Hoffe du kannst meinen Gedanken folgen, ich bin nicht so geübt diese für Fremde zu formulieren.
10 | Sophia Meerbaum
19 . Februar 2010 um 23:49 Uhr
@Robin: Ich beziehe mich auf diesen Satz, der alles davor im Artikel geschriebene in meinen Augen relativiert: “Kritik ist meines Erachtens nur dann gerechtfertigt, wenn man es erstens besser macht und zweitens der andere insgesamt Fehler macht bzw. sich a-sozial verhält, also Sozialnormen krass missachtet, mithin eher schädlich als förderlich für unsere Zivilisation ist.”
Tierquälerei ist nach der Vorstellung der meisten Menschen a-sozial, somit verstösst Torben krass gegen Sozialnormen, wenn ihm egal ist, wo seine Tierprodukte herkommen, was wiederum bedeuten würde, das dies an ihm zu kritisieren betrechtigt wäre.
@Torben:
Nach nochmaligem Lesen denke ich verstanden zu haben worauf du hinauswillst. Es gibt unheimlich viel Verbesserungspotential, alles gleichzeitig kann man in seinem Leben nicht verbessern und du hast es satt für deine Auswahl an persönlichen Verbesserungszielen von denen, die andere Ansätze haben immer kritisiert zu weren. Soweit kann ich das nachvollziehen und sehe das genauso. Deine Haltung gegenüber Tierquälerei muss ich aber trotzdem nicht verstehen oder sogar gut finden. Unterschiedliche Ansätze eben.
Man kann es aber ohnehin nicht immer allen recht machen, dem Problem kann man mit Selbstbewusstsein begegnen, wenn man mit sich selbst im reinen ist und sieht, was man schon positives erreicht hat und das man sich laufend entwickelt, oder man kann sich schuldig fühlen, für das, was man (noch) nicht erreicht/verbessert hat. Dieses sich permanent für seine Schwächen schuldig fühlen wurde uns über die religiöse Schiene wunderbar eingetrichtert und wird auch gerne von verschiedenen Industriezweigen genutzt, um uns bei unserem Streben der stetigen Verbesserung zu “helfen”. Aber da könnte man wieder ein eigenes Thema draus machen.
@TW: meiner Meinung nach wiegt Geld (Steuern, Abgaben) das zerstören der Umwelt (z.B. Benzinschleudern fahren) nicht auf, da es nicht äquvalent wieder die zerstörte Umwelt wieder herstellen könnte. Geld ist ein Tauschmittel, um den Warenhandel zu erleichtern, aber für das mutwillige zerstören der Umwelt bei weitem kein Bilanzausgleich.
Das wäre in etwa so, als wenn dich jemand absichtlich verletzt, du bleibende Schäden davonträgst, aber der andere mit einer Geldstrafe davon kommt. Bilanz ausgeglichen?
11 | TW
21 . Februar 2010 um 12:55 Uhr
@Sophia: Nein, so war das keinesfalls gemeint. Du kannst bei der Argumentation das Geld auch rauslassen: Es ist mir gestattet, die Umwelt zu schädigen, sofern ich dafür bei anderen Sachen gemeinwohlkonferm handele und so eine ausgeglichene Bilanz habe. D.h. man muss sich nicht immer ‘Engel’ sein, sofern man nicht überweigend ‘Teufel’ ist. Wie, wo, was und wann ich das mache muss aber meine Sache sein.
Um Dein Beispiel aufzugreifen: Natürlich gibt es ‘natürliche’ Grenzen dafür; z.B. die körperliche Unversehrtheit Anderer.
12 | Nico
Eine positive Bilanz kannst du gar nicht haben. Du kannst nur eine bessere Bilanz haben, als der Durchschnitt. Jeder Mensch hat nunmal einen ökologischen Fußabdruck. Und der sollte möglichst klein sein.
Ich hab jetzt keine Lust, hier so eine Grundsatzdiskussion anzufangen. Aber Vielleicht hast du ein sehr schlechtes Gewissen und bist deswegen so aufgebracht? Vielleicht wäre es dann an der Zeit deinem schlechten Gewissen nachzugeben und einmal einen Blick hierhin zu werfen: http://www.utopia.de
Generell gilt ja zum Beispiel bei Bioprodukten, dass die konventionelle Landwirtschaft sehr schädlich für die Umwelt ist und auch teilweise Schadstoffe im Essen landen (Pestizide, etc). Die wesentlichen Dinge, die es sich lohnt, bio zu kaufen, sind ja Milch und Eier. Beim Discounter kosten 10 Bioeier 2,6 €, 1l Bio Milch 0,7 €.
Milch braucht man nichtmal, ein Großteil der Weltbevölkerung verträgt sie nichtmal. Und Eier verbrauche ich allein gar nicht so viele, ehe sie schlecht werden. Also kaufe ich sie in höchstens einer 5er-Packung, die dann pro Stück vielleicht teurer ist, aber wo kein Ei schlecht wird oder nur verbraucht wird, ohne dass ein akuter BEdarf besteht (weil sie ja sonst schlecht wird) Wo ist dein Problem?
Kauf doch ab und an mal Bio, aber auf die Umwelt pfeifen ist doch nicht klug, aber das merkst du ja selbst. Sonst hättest du nicht so ein schlechtes Gewissen, dass du in Wut kanalisierst.
P.S.: Es ist schon ein großer Beitrag auf Plastiktüten zu verzichten. Ich habe im letzten Jahr 5 Stück gekauft, schlimm genug. Aber 45 weniger, als der durchschnittliche Deutsche :-D
13 | Nico
Achso, eine Frage hätte ich an dich, Torben:
Was hälst du von Josef Fritzl?
14 | Torben Mittelhorn
Nico, so ganz ohne (Gegen-)Wut kommst Du ja wohl auch nicht aus, sonst würdest Du anders schreiben und auf den Fritzl-Quatsch verzichten. Was soll Die Frage denn überhaupt nach Fritzl? Als Ob meine Entscheidung konventionelles Essen zu essen mit der jahrelangen Schändung der eigenen Tochter vergleichbar wäre. Das halte ich gelinde gesagt für verfehlt.
Aber ja, es macht mich wütend, wenn Du mir vorschreiben willst, welche Eier oder Milchprodukte ich kaufen soll. Und natürlich kann ich insgesamt eine positive Bilanz bekommen, wenn ich im Laufe meines Lebens mehr Bäume Pflanze als ich rode oder beschädige. Das finde ich ja so toll an diesem Blog und der Idee von “Frugalität”, wie es Felix nennt. Das man mit Ressourcen schonend umgehen sollte. Aber letztlich ist das jedem selbst anheim gestellt. Niemand kann das fordern. Glauben wir an einen freien Markt und lassen es zu, dass Nicht-Bio-Produkte auf den Markt geworfen werden, dann wollen wir auch einen Markt der Ideen damit stimulieren oder setzen ihn jedenfalls voraus. Darber können wir uns jederzeit unterhalten und das macht auch mir Vergnügen. Wogegen ich mich aber ganz entschieden wende, ist das Oktroyieren einer bestimmten Weltanschauung sowie das postulieren von Fakten, die es so nicht gibt. Es ist scon im Ansatz verfehlt, von einer unumkehrbaren Negativ-Bilanz eines jeden Menschen zu sprechen. Natürlich kann mein biologischer Fußabdruck auch positiv sein, etwa wenn ich die Fußabdrücke neben mir, von anderen Menschen verursacht, wässere und hege und pflege, so dass sie wieder verheilen. Dann kann ich mir meinen Fußabdruck leisten und sagen: Insgesamt ist es für die Erde gut, dass es mich, Torben, gibt. Insgesamt bin ich ein plus für die Welt. Alles andere fände ich eine sehr trübe Weltsicht, der ich mich nicht anschließen kann und will.
15 | Nico
Nein. Ich sage das vollkommen nüchertn und ohne Wut. Aber manchmal bedarf es anschaulicher Vergleiche, um verfestigte Ansichten zu hinterfragen.
Josef Fritzls und seine Tochter haben keinen Einfluss auf dein Leben. Sie könnten die vollkommen egal sein, so wie Hühner, die in Legebatterien ein unwürdiges Leben führen, dir egal sind.
Aber warum empfindest du Fritzls Verhalten als unrecht, während dir die Eierindustrie gleichgültig ist?
Du bist ein Mensch und siehst Tiere als etwas an, das dir untergeordnet ist. Irgendetwas in dir denkt, es gäbe eine Rechtfertigung für eine Unterdrückung dieser Tiere, weil du dich von ihnen distanzierst und über sie stellst.
Und genau so funktionierte auch Sklaverei und einen Vergleich mit der deutschen Geschichte erspare ich mir auszuführen.
Ich darf Adorno zitieren: Der Holocaust fängt da an, wo jemand in einem Schlachthaus steht und sagt: “Das sind ja bloß Tiere.”
16 | Nico
Btw: Auf den Einwand, dass ein überwiegender Teil der tierischen Produkte gar nicht für den menschlichen Organismus notwendig ist, bist du gar nicht eingegangen.
Auch, dass die Basic-Bioprodukte gar nicht so teuer sind. Du weichst ein wenig aus, um es dir einfach zu machen, findest du nicht?
17 | Torben Mittelhorn
Nico, ich mache mir nichts einfach. Täte ich das, würde ich nicht hier schreiben, sondern einfach handeln. Dass ich nicht schweige ist mehr als Höflichkeit, es ist Interesse am Dialog, wie Du sie wohl auch teilst. Andererseits muss man nicht auf jeden Ton ein Echo geben. Der Spiegel in meinen wie auch Deinen Antworten ist ein gebrochener. Soviel vorweg.
Inhaltlich bgeinnt die Sache mir langsam Spaß zu machen, weil Du jetzt mehr und mehr an die Oberfläche bringst. Der Fritzl Vergleich hinkt an zwei Stellen. Erstens gibt es nunmal Unterschiede zwischen Mensch und Tier und ich habe kein Problem, mich als Mensch als Krone der Schöpfung zu fühlen und Tiere als Nahrungsmittel zu halten. Das steht dem Menschen nunmal zu. Es ist grundsätzlich so gedacht, dass er sie isst. Natürlich kann er sich zu einem gegenteiligen Verhalten zwingen, aber das ist in meinen augen gar nicht nötig. Zum zweiten verkennst Du, dass mir das Einzelschicksal Fritzl total egal ist. Es lässt mich kalt. Einzig, ich will nicht in einer Gesellschaft Leben, die das als normal ansieht. Aber da sind wir ja weit von entfernt. Und auch statistisch ist das ja eher eine Randerscheinung, wie ein Erdrutsch in Nigeria. Das ist mir ziemlich latte, wenn ich ehrlich bin.
Gerne gehe ich auch noch auf Deinen Einwand ein, dass viele tierische Produkte gar nicht essentielle Nahrung darstellen. Da hast Du Recht, aber wiederum steckt darin keine Erkenntnis oder zwingende Schlussfolgerung. Natürlich kann ich ohne Fleisch leben. Die meisten Vegetarier sterben ja nicht aufgrund ihres Vegetarismus’. Das ist ja unbestritten, oder? Also jedenfalls will ich das nicht bestreiten. Aber wenn ich Fleisch essen will, dann soll ich das auch dürfen. Das ist doch der entscheidende Punkt. Niemand soll mir das verbieten dürfen. Zur Versöhnung: Hast Du Felix’ Beitrag über Ernährung gelesen? Da schreibt er auch über weniger Fleisch und so… Dafür bin ich ja auch. Aber niemals oktroyiert. Und auch eher aus ernährungsphysiologischen und monetären Gründen.
Und dass Bio-Produkte nicht soooo teuer sind…well. Uhm das ist wirklich ‘ne Frage des Standpunktes. Eine vollständige Bio-Ernährung liegt bestimmt beim doppelten Jahresbudget einer gewöhnlichen Ernährung. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich Bio-Haferflocken für 25 Cent pro 500 g bekomme (Penny, Aldi). Das addiert sich einfach dermaßen auf, dass ich es mir nicht leisten will. Ich leiste mir auch keine Zigaretten, Alkohol usw… aber ich will mir auch keine teuren Bio-Produkte kaufen. Das mag sich mal ändern, wenn ich mehr Geld habe oder die Stückpreise wegen gestiegener Nachfrage deutlich sinken, sodass meine Entscheidung anders ausfällt. Aber derzeit ist das noch nicht der Fall. Ich finde ja auch nicht, dass alle Öko-Pioniere verblendet oder doof sind. Das hat ja alles seine ratio. Aber ich habe eben einen anderen Blick auf die Dinge und befinde mich in anderen Zwangslagen. Die Adelige mit altem Geld hat leicht reden, wenn sie ihre Kinder mit Bio-Essen versorgt. Ich kann es nicht. Und nein, irgendwie will ich es auch nicht.
Lg
18 | Nico
Soso, du nennst uns die Krone der Schöpfung, die sich alles erlauben kann. Aber ich interpretiere diese Rolle etwas anders.
Wenn wir doch durch ein so komplexes Gehirn in der Lage sind, zu lernen, zu forschen, zu diskutieren und kritisch zu denken. Dann müssen wir dies doch auch nutzen. Und wir müssen einer Verantwortung gerecht werden. Einer Verantwortung gegenüber dem ganzen Rest des Planeten.
Diese Verantwortung trägt nicht eine Einzelperson oder hierarchische Instanz. Denn auf diese Weise gelingt es entweder der führenden Entscheidungsträger in der Wirtschaft die Verantwortung abzuwälzen, indem sie den Konsumenten die Schuld geben: “Wir befriedigen nur die Nachfrage.” Oder der Konsument gibt die Schuld der Politik: “Solange es nicht verboten ist, kann es ja nicht schlimm sein.” Und die Politik gibt dem Wähler die Schuld:”Ein Verbot wäre politisch nicht durchssetzbar.”
51 Prozent der klimaerwärmenden Treibhausgase werden direkt und indirekt durch die Fleischproduktion verursacht.
Die Menschheit als Ganzes muss der Rolle als führende Spezies auf diesem Planeten gerecht werden. Wir tragen die alleinige Verantwortung für die Zukunft des Planeten. Und in der kapitalistschen Art, in der wir über Güterverteilung entscheiden, trägt im Moment jeder Fleischkonsument die Mitschuld an der Klimaerwärmung.
19 | Torben Mittelhorn
Ja natürlich sind wir die Krone der Schöpfung und natürlich haben wir dadurch per se eine besonders große Macht und Verantwortung. Und ja, wir müssen auch unser Gehirn einschalten. Nur so zwingend, wie Du die Schlussfolgerungen darstellst sind sie nicht.
Woher hast Du die Zahl, dass 51 % der Co2 Emmissionen der Nahrungsproduktion zuzuordnen sind? Das halte ich für stark übertrieben. Mal abgesehen davon, ist man sich nicht sicher, wie sich das Klima verändert und ob das wirklich so schlimm ist. Ich fänd’s Bombe, wenn Deutschland wärmer wäre.
Natürlich ist jeder Einzelne dazu aufgerufen, sich Gedanken zu machen und entsprechen faktisch und politisch zu wählen. Aber wir leben nunmal in einer pluralistischen Gesellschaft mit Wertvorstellungen, die bis ins Extreme auseinander gehen können. Und das ist auch gut so. Der Sozialkonsens ist dann die Politik bzw. die von ihr erlassenen Rechtsnormen, an die sich jeder in einem bestimmten nationalstaatlichen Herrschaftsgebiet zu halten hat.
Ich verstehe nicht, wieso Du so abstrakt auf die Menschheit abstellen willst… Irgendjemand muss ja die Entscheidungskompetenz haben. Und da die Menschheit an sich kein Gremium ist, geht das nicht. Klingt nett, aber geht eben nicht, ja? Ich bin der Meinung es gibt da das oben beschriebene Wechselspiel von Konsument und Politik, aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren.
Ansonsten stimmes schon, dass sich jeder Einzelne optimalerweise als Teil einer Weltgemeinschaft versteht. Aber dann ist CO2 nicht das Problem, sondern die Probleme sind VIEL VIEL elementarer, etwa was die halbwegs menschenwürdige Versorgung mit Nahrung, Behausung und Bildung anbelangt. Frieden und all das finde ich wichtiger als Konsumentenverhalten. Und trotzdem, ich betone das nochmal, kann man diese Wertungen nicht dem Einzelnen vorschreiben. Jedenfalls nicht, wenn man vom demokratischen, nicht autoritären Staat ausgeht, der seine Bürger in Freiheit sich entfalten lässt, ohne sie ständig zu gängeln und damit wieder mit Unmündigkeit zu umgarnen.
20 | Jesus
Es ist Ostern und der Christliche Glaube hat zu dieser und noch vielen weiteren Lebensfragen klare Antworten gefunden. Sorgen, Urteile etc. theoretisch ist das Wissen über den Umgang damit in der Bibel oder anderen Weltreligionen vorhanden. Ja, man kann bei sich selbst anfangen und zu Jesus Christus finden. Go(o)d choise (you)!
Die jüngsten Kommentare