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Speedreading: Schneller lesen, mehr verstehen.

verfasst von Felix Herzbach am 16. Dezember 2009

Es klingt widersprüchlich, doch man kann tatsächlich schneller lesen und trotzdem nicht weniger sondern mehr verstehen. Diese von jedem erlernbare Technik heißt “Schnelllesen” oder “Speedreading” (zT auch “Speed Reading”). Wir werden uns diese interessante Technik mal genauer anschauen und überlegen, wie Du Deine Lesegewohnheiten Schritt für Schritt enorm verbessern kannst.

Aber wie immer, möchte ich Dir zunächst sagen, warum ich glaube, dass diese Gewohnheit zentral für Deinen Aufstieg ist. Danach solltest Du genug Infos haben, um selbst zu entscheiden, ob es sich lohnt, diese Obergewohnheit zu verbessern.

Wenn Du mit Speedreading lernst schneller zu lesen, wirst Du…

  1. …das Lesen lieben. Lesen wird mit Speedreading zum Vergnügen. Es ist wie ein Datenrausch, denn das Gehirn freut sich wie ein Hund, mit dem lange nicht mehr gespielt wurde.
  2. …mehr Freizeit haben. Weil Du Deine Pflichtlektüre schneller erledigt hast, bleibt viel Zeit für Anderes.  Rechercheaufgaben in Job oder Studium wirst Du in beeindruckender Geschwindigkeit erledigen.
  3. …mehr verstehen. Nach dem Lesen wird mehr hängenbleiben. Du wirst Dir angewöhnen, vernetzt und blitzschnell zu Denken und außerdem insgesamt mehr Wissen aufnehmen. Und bekanntermaßen ist Wissen gleich Macht.

Noch nicht überzeugt, dass die Schulung Deiner Lesekompetenz wichtig ist? Ok, dann lass uns mal die Zahlen anschauen! Man sagt dass ein 80-Jähriger im Schnitt 3,5 Jahre mit Lesen zugebracht hat. Und weil Du diese Zeilen liest, bin ich mir sicher, dass Du sogar deutlich über dem Schnitt liegst. Außerdem wird sich der Leseanteil in der Wissensgesellschaft von heute und morgen, insgesamt und garantiert erhöhen. Das bedeutet, die dreieinhalb Jahre sind untertrieben. Ich selbst würde behaupten, 20% meiner Tageszeit (16 Stunden) mit off- und online-Lesen zu verbringen. Das sind gut 3 Stunden am Tag und ich glaube das ist noch zu niedrig geschätzt. Wenn ich 80 bin, werde ich (selbst wenn man die Jahre 0-10 nicht mitzählt) ca. 10 Jahre durchgehend gelesen haben. Was glaubst Du? Wieviel wirst Du im Laufe Deines Lebens lesen? Glaubst Du mir, dass sich die Entwicklung guter Lesegewohnheiten auszahlt, vor allem wenn es mit wenig Aufwand und en passant geht? Wenn ja, verinnerlich Deine Motivation und lies weiter. Wenn nein, lies nochmal von vorne und hinterfrage Deine inneren Widerstände.

Jeder liest unterschiedlich, denn Lesen ist etwas persönliches. Ein durchschnittlicher Leser, kann 200 Wörter pro Minute (”WpM”) lesen. Geübte Leser schaffen etwa 400 und Könner bewegen sich im untersten vierstelligem Bereich. Wieso aber sind die Unterschiede so krass? Nun, die Lesegeschwindigkeit hängt von vielen Faktoren ab, die man danach unterscheiden sollte, ob sie vom Menschen beeinflusst werden können.

Von Dir nicht zu beherrschen, aber mitursächlich für Deine WpM-Zahl sind:

  • Alter
  • Intelligenz
  • Textlayout (Schriftart, Schriftgröße, Schriftausrichtung, Zeilenabstand, Kontrast)

Von Dir zu beherrschen und mitursächlich für Deine WpM-Zahl sind:

  • Vokabular
  • Leseumgebung (Beleuchtung, Lärmpegel usw.)
  • Motivation und Konzentration
  • Subvokalisierung (Wörter mitsprechen)
  • Regression (im Text zurückspringen)
  • Sichtfeld (sog. Fixation)
  • Abstand von Augen und Text

Die erfreuliche Tatsache ist: Wir haben die meisten Faktoren in der Hand! Auch wenn Du Dein Alter und Deine Intelligenz nie und das Textlayout meistens nicht beeinflussen kannst, bleibt Dir genug Spielraum, Deine WpM-Zahl mit ein paar Gedanken und Übung mindestens zu verdoppeln. Das war die erste gute Nachricht. Die zweite gute Nachricht lautet, dass es faktisch leichter fällt, schnell zu lesen. Unser Gehirn braucht eine bestimmte “Betriebstemperatur“, sonst funktioniert es nicht richtig. Man driftet weg und denkt über sonstwas nach. Schnelleres Lesen verhindert dieses gedankliche Abschweifen. Wenn Du den Text in systematischen Sprüngen durchgepflügst und in strukturierte Blöcke zerlegst, explodieren Verständnis und damit Konzentration und Motivation von ganz alleine.

Ich hoffe, Du verstehst jetzt nach den ganzen Listen & Links, erstens warum Lesetechnik eine absolute Pflichtdisziplin für Aufsteiger ist und zweitens was Deine Lesegeschwindigkeit bestimmt. Im jetzt folgenden und letzten dritten Schritt sehen wir, wie Du Deine persönliche Lesegeschwindigkeit auf Hochtouren bringen kannst. Na dann woll’n wir mal:

  1. Funktionieren Deine Augen? Deine Augen sind Dein Werkzeug. Was nicht durch die Augen kommt, kann auch nicht in Deinem Gehirn landen. Geh’ zum Optiker oder Arzt, wenn Du Dir nicht sicher bist und kaufe Dir ggf. eine Lesebrille.
  2. Hast Du das Lesen äußerlich gut vorbereitet? Sorge für eine angenehme, störungsfreie Atmosphäre und ausreichend (aber nicht zu viel) Licht. Deine Umgebung ist perfekt, wenn sie im humboldtschen Sinne einsam und frei ist. Es sollen sich eben wirklich nur noch Du und Dein Text gegenübersitzen. Dh falls Du noch über TV und Radio verfügst: schalte sie aus. Das gleiche gilt für Handy und PC.
  3. Hast Du das Lesen auch innerlich gut vorbereitet? Erstens: Du musst physisch und psychisch entspannt sein. Herzschmerz/Aufregung und Erschöpfung/Energieüberschuss bremsen Deine Lesegeschwindigkeit. Am besten ist also ein mittleres “Energielevel” in Bezug auf Körper und Geist. Zweitens: Du musst motiviert sein. Entdecke und verinnerliche Deine Motivation und lass Dir Zeit dafür. Ein gutes Motiv trägt Dich durch den Text und noch weiter.
  4. Hast Du den Text vorab überflogen? Auch wenn Du dabei nichts verstehst: Dein Gehirn speichert die “Landkarte” und so kannst Du dich besser auf die “Wanderung” durch den Text begeben. Du verlierst einfach nicht so leicht die Orientierung. Und nein, die Durchsicht des Inhaltsverzeichnisses kann das nicht ersetzen.
  5. Liest Du schnell genug? Du sollst nicht Wort für Wort lesen, wie man es als Kind lernt, sondern Wortgruppen oder besser mehrere Zeilen gleichzeitig lesen. Öffne Deine Linsen! Training bedeutet doch gerade, über seine bisherigen Grenzen in Richtung der beabsichtigten hinaus zu gehen, in unserem Fall also schneller zu lesen als bisher. Du musst dem Gehirn mit den Augenbewegungen das Tempo vorgeben und wirst überrascht sein, wie schnell es sich anpasst. Diesen “Flow” des schnellen Lesens, kannst Du übrigens ganz gut mit Dir schon bekanntem Schriftmaterial (zB kürzlich abgeschlossenes Buch, gelesener Artikel) erleben.
  6. Liest Du Dir selbst vor? Das nennt man subvokalisieren und solltest Du lassen oder jedenfalls einschränken, denn sonst kannst Du nicht schneller lesen, als jemand sprechen kann. Wenn Du ganze Satzteile oder zweizeilig liest, kannst Du Dich ganz gut dazu zwingen, weniger zu subvokalisieren. Mir hat es geholfen, nicht fließend, sondern springend zu lesen. Meine innere Stimme sagte heute nur noch zentrale Stichworte und das gefällt mir eigentlich so ganz gut. Wichtig ist nur, dass nicht jedes Wort gesprochen wird.
  7. Springst Du im Text zurück? Das nennt man Regression und solltest Du ebenso wie das Mitsprechen tunlichst unterlassen. Du brauchst Die Wiederholung nicht. Übe, nach nach vorne und nicht zurück zu lesen. Hier kann auch der folgende Tipp weiterhelfen:
  8. Benutzt Du Deine Hände? Als Kinder benutzen wir ganz natürlich unsere Finger zum Lesen, aber Erwachsene halten das wohl für nicht chic genug. Jedenfalls kann es das Lesen erleichtern und beschleunigen, mit dem Finger über den Text zu fahren (obwohl das bei mir ehrlich gesagt nur funktioniert, wenn ich unmotiviert bin). Mit den Fingern auf dem Text, haben die Augen immer einen angenehmen Fixpunkt. Weil Finger so viel Text bedecken, nehmen Kenner dafür übrigens Stricknadeln oder Essstäbchen.
  9. Machst Du genug Pausen? Du musst Pausen machen, oder wirst erschöpft und unmotiviert mitten im Lesen aufhören. Faustformel: Jede Stunde 5 Minuten, je nach Bedarf auch mehr. Mit Pausen meine ich übrigens auch ausreichend Schlaf, denn wie wir ja alle wissen, wird im Schlaf das Gelesene im Gehirn fein säuberlich sortiert und für schnelle, fehlerfreie Abrufe vorbereitet. Diesen Vorgang willst Du nicht wirklich stören, oder?
  10. Hältst Du den optimalen Leseabstand ein? Er beträgt etwa 50 cm, also knapp eine Armlänge. Aber am besten Du findest selbst Deine persönliche Lieblingsdistanz heraus. Grundsätzlich gilt: Je weiter weg, desto besser.
  11. Liest Du genug? Je mehr Du liest, umso besser. Denn dadurch erweitert sich Dein Vokabular und die Fähigkeit bekannt Satzteile wiederzuerkennen. Du lernst quasi wie Google mit einem intelligenten Suchfilter die präsentierte Information in Wichtige und Unwichtige Teile zu zerlegen.

Noch zwei wichtige Bemerkungen zum Schluss. Erstens: Lass Dir bitte keinen Cent für Speedreading teure Bücher oder Kurse oder Programme oder wasweißich aus der Tasche ziehen. Der kleinste Teil, Speedreading zu lernen, besteht aus der Information, wie es geht. Die wichtigsten Teile des Speedreadings sind Einsicht, Motivation und einfach Übung. Aber das schaffst Du auch ohne teure Rezepte. Zweitens: Setze Speedreading nur dort ein, wo es auch wirklich hinpasst. Liebesbriefe, Gedichte oder technische Beschreibungen solltest Du nicht nur überfliegen. Aber so ziemlich alles andere kannst Du getrost schnell lesen: Romane, Sachbücher, Zeitung, Blogs (hab extra auf linksbündig umgestellt…) und zT auch E-Mails.



22 Kommentare zu "Speedreading: Schneller lesen, mehr verstehen."

1 | TWNo Gravatar

18 . Dezember 2009 um 11:38 Uhr

_Das_ ist die ganze Hexerei?
Wie erlernt man denn diese Technik nun? So wie es sich dort oben liest (Punkt 1-11) klingt das ja sehr trivial.
Und: Die Einleitung legt nahe, dass man durch diese “Technik” (ich verstehe noch nicht ganz, worin diese Technik liegen soll) mehr versteht. Warum das?

2 | Felix HerzbachNo Gravatar

18 . Dezember 2009 um 12:17 Uhr

@ TW: Hexerei ist es sicherlich nicht. Ich finde es zB viel schwieriger, jeden Morgen früh aufzustehen, oder kalt zu duschen. Aber von alleine geht schneller Lesen andererseits auch nicht. Dh auch wenn es Dir einfach erscheint nach dem Durchlesen des Beitrags: Du musst das schon selbst intensiv üben. Das kann ich Dir nicht abnehmen. Vielleicht hilft Dir ja mein allgemeiner Beitrag über Gewohnheitsveränderung weiter. Und zu Deiner Frage, was die Technik ausmacht bzw. worin sie besteht, kann ich nur auf die 11-Punkte Liste verweisen. Schneller zu lesen als bisher, ist eben nur einer von 11 Punkten. Die anderen 10 Punkte helfen Dir aber genauso die Lesegeschwindigkeit zu erhöhen (also “Speedreading” zu praktizieren). Ansonsten müsstest Du jetzt bitte nochmal genauer nachfragen, welchen Punkt Du nicht verstehst oder wo Du Umsetzungsprobleme hast. Lg Felix

3 | seboNo Gravatar

18 . Dezember 2009 um 18:43 Uhr

ich glaub ich hab noch nie eine so gut zusammengestellte liste ueber speed reading gelesen. der wikipedia eintrag ueber schnellesen wirkt was die tipps angeht echt unvollstaendig angesichts deiner beeindruckenden liste. love it.

4 | bienchen73No Gravatar

18 . Dezember 2009 um 22:46 Uhr

Bedauerlich, dass das noch nicht in deutschen Schulen unterrichtet wird. Was man so hört, ist man da in Amerika schon weiter.

5 | Raimund HockeNo Gravatar

20 . Dezember 2009 um 17:36 Uhr

@sebo #3
volle Zustimmung. Gilt übrigens nicht nur für wikipedia, sondern auch für viele halbgare Angebote im Internet, die suggerieren, dass Technik alles ist.

@bienchen #4
Nette idee. Der nächste Schritt nach der Umstellung vom Buchstabenlesen zum Wortelesen (ist doch bestimmt schon mehr als 30 Jahre her) wäre wirklich mal fällig. Ich befürchte nur, dass sowas im staatlichen Schulbereich keine Chance hat. Wir kriegen ja noch nicht mal Bologna hin und brauchen “Jahrendende” für eine verkorkste Rechtschreibreform.

6 | Ralph SchumacherNo Gravatar

23 . Dezember 2009 um 17:02 Uhr

Hallo Felix,

sehr informativer Artikel!
Das Thema “Schnell-Lesen” hatte ich ehrlich gesagt vor längerer Zeit aufgeschoben, nachdem ich mir das Buch “Optimales Lesen: Schneller lesen – mehr behalten. Ein 25-Tage-Programm” von Ernst Ott gekauft hatte.
Es fehlte mir schlichtweg die konsequente Umsetzung, sodass ich in meinen alten Lesegewohnheiten verhaften blieb.
Aber es funktioniert, das kann ich bestätigen, oft mangelt es nur an der (Langzeit-)Motivation.

Vielen Dank nebenbei für deinen Besuch auf meiner Seite ;-)

Beste Grüße,
Ralph

7 | bibliothekNo Gravatar

24 . Dezember 2009 um 10:47 Uhr

bei uns gibt es an der VHS einen kurs. den werde ich mal belegen, habe ich mir für nächstes jahr vorgenommen.

8 | Felix HerzbachNo Gravatar

27 . Dezember 2009 um 08:29 Uhr

@ Ralph: die Langzeitmotivation hat durchaus ihre Tücken. Man fällt dann doch schnell wieder in alte Gewohnheiten zurück und muss sich wieder und wieder ermahnen, schneller zu lesen. Mich beschäftigt vor allem das Subvokalisieren, welches ich zwar stark einzuschränken, aber nie ganz auszuschalten vermag.

@ bibliothek: Das ist bestimmt eine gute Idee. Aber am besten mal vorher den Dozenten anschauen und sich nicht zu viel Geld abknöpfen lassen (siehe letzter Abschnitt im Beitrag).

VG, Felix

9 | HannesNo Gravatar

28 . Dezember 2009 um 15:07 Uhr

Wie, Romane per Speedreading? Bei Trivialliteratur mag das angehen, aber z.B. einen Roman von Thomas Mann, dessen Wert die Schönheit seiner Sprache ausmacht, nur zu “überfliegen”, halte ich für keine gute Idee.

10 | Felix HerzbachNo Gravatar

28 . Dezember 2009 um 15:22 Uhr

@ Hannes: natürlich ist das jedem selbst überlassen. Ich habe aber nicht den Eindruck bei einem Roman oder sonstigem Buch (ich lese gerade v. Schirach und Dahrendorf), mit Speedreading das Gefühl für die Sprache zu verlieren. Wie im Beitrag geschildert: Es ist möglich, schneller und gleichzeitig mit größerem Verständnis zu lesen. Das muss man eben trainieren. Senecas exzellentes “De brevitate vitae” habe ich erst neulich auf diese Art erschlagen. Und auch wenn Du nicht mit den Augen springen willst, sondern die fließende Augenbewegung bevorzugst, solltest Du alle anderen Hinweise gesondert prüfen und ggf. beherzigen. Eine gute Haltung, gutes Licht und eine gute Motivation fürs Lesen zu haben, hilft in jedem Fall. Außerdem würde ich jeden Text vor dem “richtigen” Lesen einmal mit den Augen scannen.

Aber nochmal: niemand zwingt Dich zum Speedreading.

11 | andererNo Gravatar

30 . Dezember 2009 um 23:37 Uhr

Nunja, nicht wirklich tolle tipps.. aber nett, doch ja

12 | Felix HerzbachNo Gravatar

31 . Dezember 2009 um 10:31 Uhr

@anderer: was fehlt Dir bei dem Beitrag?

13 | Christoph SimonNo Gravatar

1 . Januar 2010 um 11:12 Uhr

Hallo Felix,

ich stimme Dir in allen Dingen zu, die in deinem sehr guten Blogpost über das Speedreading genannt sind.

Bis auf einen! Es ist aus meiner Sicht und Erfahrung oft sehr nützlich für Menschen, die Schnelllesen trainieren wollen ein Seminar zu besuchen und “sich Geld aus der Tasche ziehen lassen”.

Und ich sage das nicht, weil ich selbst seit vielen Jahren Seminare unter dem Titel Powerreading erfolgreich anbiete.

Denn es ist ja so. Lesen unterliegt einer ganzen Menge an Faktoren. Leider sind unsere Gewohnheiten beim Lesen das Ergebnis vieler Stunden Training. Vor allen Dingen aus schulischer Vorzeit. Einhergehend damit haben wir alle Überzeugungen über das Lesen gebildet.

Überzeugungen sind Glaubenssätze oder innere Prinzipien, die uns etwas tun lassen oder dabei helfen etwas zu unterlassen.

Und es handelt sich dabei um sehr, sehr machtvolle innere Konzepte, die bis zur Identitätsebene des Menschen gehen.

Ergo, haben wir auch eine Identität von uns als Leser und die ist nach meiner Erfahrung, für das schnelle Lesen von Texten überhaupt nicht nützlich und brauchbar. Jedenfalls bei den meisten. (fängt schon beim Thema Lesehilfe an)

Bei aller Übung (und daraus besteht Speedreading natürlich auch), ist der aus jahrelanger Erfahrung viel wichtigere Part der, sich eine vernünftige Identität als schneller und guter Leser aufzubauen, der extrem gerne schnell liest und dabei auch noch extrem gut versteht, was er da liest.

So wird ein Schuh draus und der manchen zu stark techniklastigen Schnellleseminaren den Garaus macht. Denn die Technik selbst, kann sich natürlich jeder autodidaktisch ziemlich schnell vermitteln

Also, ändert zuerst eure Glaubenssätze über euer derzeitiges Leseverhalten.

Und noch eins. Wer zu viel das Gefühl hat, zu subvokalisieren (innerlich mitlesen) liest einfach noch nicht schnell genug. Das Gehirn kann in ca. 600 bits p. Sekunde denken. Lesen findet aber zumeist vom Denkprozess weit darunter statt.
Darum sind zum Training Lesegeschwindigkeiten zwischen 800-1200 wpm ideal.

Da sich diese Geschwindigkeiten für die meisten Menschen extrem fremd und unangenehm anfühlen, ist ein Seminar ideal, um mit diesen Widerständen umgehen zu lernen.

Und genau dafür braucht es Schnellleseminare, die viel mehr Coaching sind, als Technikvermittlung. Wobei es da natürlich wie bei allem anderen auch, einige nette Feinheiten gibt, die sich einem erst nach Jahren intensiven Übens erschließen.

in diesem Sinne wünsche ich jedem Leser jeden Tag ein liebevoll gescanntes Buch,
Christoph

14 | Felix HerzbachNo Gravatar

2 . Januar 2010 um 07:11 Uhr

@Christoph Simon: vielen Dank für Deine tolle Anmerkung. Es stellt sich ja bei jedem Lernprozess die Frage, ob man es eigenständig (autodidaktisch) oder mit Coach/Mentor/Lehrer angeht. Wobei das eigenständige Lernen auch schon eine Illusion ist, denn man hat ja immer Bücher, Videos oder anderes Aschauungsmaterial zur Hand, die einen im weitesten Sinne begleiten und hoffentlich die wichtigsten Fragen des angestrebten Lernprozesses beantworten können. Ich denke Du hast Recht für einen Teil der Menschen, die gerne Dinge im persönlichen Gespräch erörtern und sich erklären lassen. Das ist natürlich uU interaktiver und schneller. Aber bei Speedreading kann ich den Bedarf nicht per se erkennen. Wie du ja selbst auch sagst, ist es v.a. eine Übungssache. Nur bei dem Aufbau der Zielbestimmung (”Ich will schneller lesen. Dafür werde ich hart arbeiten. Ich werde….” usw.), kann ein geschulter und schulender Mentor ggf. hilfreich sein. Aber wenn man die Intention/Motivation schon in sich verspürt, sowie auf die einschlägigen Beschreibungen der Schnelllese-Techniken zugreifen kann, ist ein Seminar o.Ä. in meinen Augen entbehrlich.
Deinem letztgenannten Wunsch schließe ich mich sehr gerne an ;-)
VG Felix

15 | MoniNo Gravatar

2 . Januar 2010 um 16:28 Uhr

Hallo Felix,

kannst du mir nochmal näher erläutern, wie man das subvokalisieren sein lassen kann?? Ich meine immer, dass ich die Worte erst “verstehe”, wenn ich sie mir vorgesprochen habe! Wie kann ich dass lassen? Und wie kann ich meinen Sicht- bzw. Lesebereich auf zwei Zeilen ausdehnen, wenn ich an jedem Wort “klebe”?

Mfg Moni

16 | Felix HerzbachNo Gravatar

4 . Januar 2010 um 13:36 Uhr

@Moni: Das ist auch meine Baustelle momentan, obwohl es sich zunehmend verbessert. Ich versuche nur noch die Zentralbegriffe im Text schlagwortartig zu subvokalisieren. Ansonsten habe ich auch öfters schon ausprobiert während des Lesens innerlich zu zählen (1,2,3 usw.; Rhythmus nach Sekunden, nicht nach gelesenen Wörtern). Das kann dabei helfen die innere Stimme vom Text zu trennen. Ein weiterer Tipp wäre, dass Du versuchst in Bildern zu denken. An die Stelle des Sich-Selbst-Vorlesens sollte die eigene Vorstellung treten. Das hat mir jedenfalls sehr geholfen. Aber ansonsten kann ich Dir nur sagen: Üben, Üben, Üben und schneller lesen (mit all den anderen Einzelschritten). Das klappt schon und Du musst ja auch nicht komplett auf die innere Stimme verzichten. Lg Felix

Update: Achja, was das zwei- oder mehrzeilige Lesen anbelangt, so ist das alles eine Frage des geschulten Sichtfelds. Du kannst zB mal ausprobieren ein kleines Wort mitten im Text zu fixieren und trotzdem ohne eine Augenbewegung die umliegenden Wörter zu erkennen. Das funktioniert eigentlich recht gut. Damit beweist Du dir auch gleichzeitig, dass nicht jedes Wort oder sogar Silben fixiert werden müssen. Ich würde aber erstmal trainieren mit 2-3 Fixationen pro Zeile auszukommen. Das mehrzeilige oder querlesen kommt dann ziemlich automatisch, wenn man motiviert versucht immer schneller zu lesen.

17 | MoniNo Gravatar

4 . Januar 2010 um 21:49 Uhr

Hallo Felix,

vielen, vielen Dank für deine Tipps. Dann werd´ ich mal üben, üben, üben!!! Stoff habe ich genug!

Gruß Moni

18 | Felix HerzbachNo Gravatar

6 . Januar 2010 um 14:12 Uhr

@Moni: Dafür nicht. Viel Vergnügen & Erfolg! Lg Felix

19 | elvisNo Gravatar

12 . Januar 2010 um 21:32 Uhr

ja, die Motivation. Für mich ist es beim Lesen wie beim Zehn-Finger-Tippen, da darf man auch einfach nicht mehr auf die Tasten schauen.
Also immer schneller lesen und nicht sprechen.
Leider fällt das sehr schwer.

Danke, Felix, für den guten Beitrag!

20 | ManuelNo Gravatar

30 . Juni 2010 um 20:04 Uhr

tolle seiten & toller artikel

Ich bin der Meinung man kann auch mit Augentraining das die meisten gegen sehschwächen machen auch zur lesegeschwindigkeit beitrage ;)

21 | Felix HerzbachNo Gravatar

1 . Juli 2010 um 06:54 Uhr

@elvis: genau, read fast or die tryin’ ;-)

@Manuel: Danke. Wie funktioniert ein solche Augentraining bei Sehschwäche?

22 | ManuelNo Gravatar

5 . Juli 2010 um 19:30 Uhr

okey momentan kann ich nur auf folgende seite hinweisen es gibt natürlich vielviel mehr aber ich müsste selbst erst googlen
http://www.augen-training.com/

ein ganz breites spektrum von übung für augen und den ganzen körper&geist
http://www.augen-training.com/tipps-fuer-anfaenger—vor-dem-fragen-lesen-t596.html

und hier ein paar beschriebene Grundübungen
http://www.augen-training.com/kann-mir-jemand-die-effektivsten-uebungen-erklaeren-t770.html

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