Warum und wie Du zum Frühaufsteher wirst
verfasst von Felix Herzbach am 29. November 2009
Okay, es geht um früh aufstehen. Wir reden über alles zwischen vier und sechs Uhr morgens; Damit hängt je nach persönlichem Schlafbedarf ein regelmäßiges zu-Bett-gehen um 22-24 Uhr zusammen.
Denkst du gerade “Wieso sollte ich das tun? Du spinnst ja wohl!“. Hier ein paar Antworten:
- Weil Du produktiver sein wirst. Führungskräfte pflegen und pflegten schon immer praktisch ausnahmslos diese Gewohnheit – weltweit. Es gibt einen quasi-naturgesetzgleichen Zusammenhang von früh Aufstehen und Erfolg. Hier spricht
der deutsche Volksmund ausnahmsweise mal Wahrheit: “Morgenstund’ hat Gold im Mund” bzw. “Der frühe Vogel fängt den Wurm”! Und sogar der englische: “Early to bed and early to rise, makes a man grow rich, healthy and wise”.
- Weil Du mehr Zeit für Dich haben wirst. Das ist der innere Grund für Punkt 1: Bevor Berufs-, Studien- oder Familienleben losgehen, kannst Du schon dutzende Aufgaben ungestört erledigen. Nutze die Zeit zB für E-Mails, Sport, E-Mails, Meditation, allgemeine Lebensplanung oder ein besonderes Projekt. Alle Beiträge auf dieser Website sind zB zwischen 5-9 Uhr entstanden. Oder überrasche Deine Liebsten mit einem tollen Frühstück. Dir fällt schon was ein.
- Weil Du entspannter in den Tag starten kannst. Du wirst vom Getriebenen zur treibenden Kraft werden, weil Du schon aus der Tür gehst, während Andere sich noch im Bett wälzen. Dein Tag ist bereits in groben Zügen geplant und mental vorbereitet. Das macht Dich souverän, weil Du die konkreten Fallstricke des kommenden Tages schon am Morgen “bearbeitet” und klug zu umgehen gelernt hast.
- Weil Du im Einklang mit der Natur gesünder leben wirst. Tageslicht hat andere Eigenschaften als künstliches Licht; Der Mensch ist für’s Tageslicht gebaut. Er wird ohne es nachweislich schlapp und depressiv. Daher: Je mehr natürliches Tageslicht, desto besser. Mal abgesehen davon: Wann hast Du das letzte Mal einen schönen Sonnenaufgang gesehen? – Eines der schönsten Naturereignisse, die es gibt…
Na? Sagt Deine innere Stimme gerade sowas wie “Okay, gar nicht so dumm. Vielleicht stimmt das ja und ich sollte es vielleicht mal ausprobieren. Aber wie zur Hölle soll ich regelmäßig so früh aus den Federn kommen?“. Sehr gut. Hier ein paar Tipps, die die Zweifel Deiner inneren Stimme bis auf’s Letzte zerstören werden:
(Gehe diese Anleitung mindestens zwei Mal durch. Besser ist drei Mal – beim dritten Mal nur Überfliegen.)
- Lies und verstehe “Wie Du jede Gewohnheit in 21 Tagen auf den Kopf stellen kannst“.
- Jetzt mach’ Dir Deine Motive klar. Oben sind meine Gründe, warum ich Frühaufsteher bin, vielleicht fallen Dir noch weitere ein. Wir suchen nach Gründen, die Dich überzeugen. Aber das “Klauen” meiner Motive ist natürlich erlaubt und sogar erwünscht. Schreib’ Dir Deine wichtigsten drei Gründe notfalls auf, sprech’ sie Dir laut vor oder klebe Zettel in Deine Wohnung à la “Ich bin ab sofort Frühaufsteher. Basta. ” oder “Morgen stehe ich um 6 Uhr auf und werde den Sonnenaufgang erleben, Laufen gehen und so lange Klavier spielen, wie ich will”. Klar ist das alberne Selbstmanipulation. Aber sie funktioniert ausgezeichnet.
- Schrittweise vorgehen. Stell’ Deinen Wecker jeden Tag nur 15 oder 30 Minuten früher. Auf keinen Fall mehr. Eine Bergaufstieg beginnt mit einem einfachen Schritt und keinem Quantensprung. Hast Du Deine persönliche Zielzeit erreicht, dann “friere” die Weckerstellung erstmal ein. Die ganze Kraft des Rythmus’ erfährst Du nur, wenn Du jeden Tag zur exakt gleichen Zeit aufwachst. Am Anfang gibt es Schwankungen (v.a. dass man vor dem Wecker aufsteht, was nicht schlimm ist), später würdest Du sogar ohne Wecker aufwachen.
- Geh’ früh, aber ein bisschen erschöpft zu Bett. Treibe zB tagsüber ein wenig Sport. Oder such’ Dir einen Tag aus, an dem Du sowieso müde wegen des Vortags bist (durchzechte Nacht, Sylvester, Fußballabend etc.) und nutze dieses Schlafdefizit als Vorteil, indem Du den 21-Tage Zyklus an genau so einem Tag beginnst!
- Beruhige Dein Schlafzimmer. Entferne grelle Lichter, Arbeitschaos, Lärmquellen usw. Eben alles, was Dich beim Einschlafen ablenken könnte. Zu guter Schlafzimmergestaltung gehört auch, dass der Wecker nicht in Greifnähe steht. Du hast bestimmt eine Taktik wichtige Termine mittels Wecker nicht zu verpassen. Benutze diese Taktik jetzt erstmal jeden Tag (zB Wecker + Handyalarm im anderen Raum).
- Bereite Deine Belohnung vor. Ich schneide zB buntes Obst mundgerecht und leg’ es in den Kühlschrank. Vorräte an leckeren Aufbackbrötchen können auch nicht schaden. Je nach Geschmack kann die Belohnung aber auch in einem Morgenlauf (Schuhe, Hose, Socken etc. bereitlegen!) oder Musizieren liegen. Aspekte der Effizienz und Effektivität sind hier mal total egal – hauptsache Du liebst diese Tätigkeit über alles, so dass die Belohnung “bei Dir ankommt”. Ich kann nicht oft genug sagen, wie wichtig dieser Punkt ist. Pflaster’ bitte Deinen neuen Morgen (erstmal) nicht mit ToDo-Listen zu!
- Stehe auf und bleib wach. Du musst verhindern, dass Dich Dein Autopilot wieder ins Bett schickt. Besonders empfehlen kann ich: So viele Lichter wie möglich anmachen, Termine auf 8 Uhr legen und aufweckende Musik hören.
- Lass begrenzt Ausnahmen zu. Niemand will gerne auf Parties oder wichtige Empfänge verzichten. Du musst damit rechnen, nicht jeden Tag vor 23 Uhr zu schlafen. Das ist okay, aber versuche Dich auf ein Mal pro Woche zu beschränken. Der Körper soll sich ja gerade an einen gesunden Schlafrythmus gewöhnen und nur so selten wie möglich durch Ausnahmen strapaziert werden. Mein Tipp: In jedem Fall trotzdem zur Zielzeit aufstehen, aber die Restmüdigkeit erst mit einem Powernap längeren Mittagsschlaf auslöschen. Klappt zumindest bei mir sehr gut.
- Sonstiges. Manchen hilft es, nicht im Bett zu lesen, das Weckersignal zu ändern oder mit offenem Fenster und Ohrstöpseln zu schlafen. Reine Geschmackssache, aber in meinen Augen (was früh Aufstehen abelangt) nur überflüssiger Firlefanz, der von den wichtigeren Routinen ablenkt. Anders sieht es mit einem Partner aus – das kann sehr gut funktionieren. Ich weiß von einem Kommilitonen, dass er täglich um 8 in der Uni-Bibliothek sein “musste” und sein Kumpel auch. Die haben vor den Klausuren über einen Monat da so eine Art Spiel draus gemacht mit gegenseitig Anrufen, wer zuerst in der Bib ist und mit irgendwelchen Belohnungen. Sieht albern von außen betrachtet aus, aber für die Beiden hat es funktioniert (sie schrieben Bestnoten!) und in bestimmten Situationen könnte es auch für Dich funktionieren.
Ich bin gespannt darauf, Dein Feedback zu lesen. Wer durchgehalten hat, sollte auf sich stolz sein und überlegen wie und ob es mit der neuen Gewohnheit weitergehen soll.
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