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Raus aus der Komfortzone! Wie man sich das Umgewöhnen angewöhnt.

verfasst von Felix Herzbach am 29. November 2009

Wann hast Du das letzte Mal inneren Widerstand gegen eine Tätigkeit verspürt? Es müssen gar nicht mal die kompliziertesten oder todesgefährlichen Tätigkeiten sein. Es reicht schon aus, wie zB ich vor zwei Tagen, zum ersten Mal einen Kopfsprung zu wagen, um massive innere Widerstände wahrzunehmen.

Je nach dem was wir tun oder uns vorstellen zu tun, fühlen wir uns entweder wohl oder unwohl, dh komfortabel oder unkomfortabel. Jeder Mensch führt bewusst, aber vor allem unterbewusst laufend Listen mit Tätigkeiten, die er als eher angenehm oder eher unangenehm empfindet. Diese unsichtbaren Listen legen die Grenzen unserer individuellen Komfortzone fest. Die Masse der Komfort-Liste drückt die Zone nach außen, währen die Masse der Diskomfort-Liste von außen nach innen drückt. Wäre es uns irgendwie möglich, Tätigkeiten von der Diskomfort-Liste zur Komfort-Liste fließen zu lassen, würde der Innenndruck stärker und der Außendruck schwächer, so dass unsere Komfortzone wüchse und wir einen größeren Handlungsspielraum hätten.

Jetzt hab’ ich drei gute Nachrichten für Dich:

  1. Die Kontrolle und Erweiterung Deiner Komfortzone wird Dir unglaublich viel Spaß und Selbstvertrauen geben und spielerisch Möglichkeiten eröffnen, die Du Dir heute nichtmal vorstellen kannst. Glaub mir, es lohnt sich. Wenn Du einmalig Unangenehmes meistern kannst, wird es Dir auch später leichterfallen regelmäßig Unangenehmes zu meistern und gute (Ober-)Gewohnheiten zu entwickeln.
  2. Es gibt erlernbare Techniken, wie man einzelne Tätigkeiten von der einen auf die andere Liste schiebt. Was einmal unmöglich und unangenehm erschien, funktioniert plötzlich und macht vielleicht sogar Spaß. Ich nenn’ das “Komfortzonentraining”.
  3. Je häufiger Du diesen Vorgang wiederholst, desto schneller, einfacher und zuverlässiger wird es klappen. Irgendwann kannst Du fast mühelos ganze Gruppen von Tätigkeiten verschieben.

Stell’ Dir das so vor, wie Krafttraining. Auch dort brauchst Du ja die richtigen Übungen, Ernährungstipps und ein bisschen Geduld. Außerdem wirst Du nicht gleich mit den Gewichten der Bodybuilder trainieren, sondern klein anfangen und erst langsam beobachten, wie Du immer im Laufe der Zeit besser wirst und immer schwierigere Übungen meisterst. Der Muskel wird nicht phsyisch, sondern psychisch sein und Dir ermöglichen jeder Umgewöhnung mit Leichtigkeit und Freude zu begegnen. Du gewöhnst Dir mit Komfortzonentraining an, Dich umzugewöhnen. Und bereitest Dich für größere Aufgaben vor.

Hier ein paar Übungen zum Training der Komfortzone, gestaffelt nach Deinem “Trainingsstand”. Probier’ einfach mal ein paar Ideen alleine oder mit Freunden aus. Aber bitte verstehe die Liste nur als erste Anregung und mach’ Dich so schnell wie möglich daran, eigene kreative Herausforderungen für Dich zu basteln.

I. Ideen für Einsteiger:

  1. Renne Rolltreppen in die entgegensetzte Richtung; sie sollten weder leer noch voll sein.
  2. Sei für 2-3 Stunden Flaschenpenner. Oder in Unterhose rumrennen (”Wette verloren”…). Das Beides am besten in einer fremden Stadt.
  3. Bringe mindestens drei fremde Menschen dazu, Dir die Schuhe zuzubinden. Wie? Unter einem Wasserfall aus Entschuldigungen für Deinen Hexenschuss bittest Du einfach darum.
  4. Gib “Free Hugs“.
  5. Verzichte ein paar Tage wahlweise auf Alkohol/Zigaretten/Kaffee/Schokolade/TV/Orgasmen/Fastfood/Warmdusche. Erst einzeln und mit dem leichtesten Verzicht beginnen, später beliebig kombinieren. Wiederholen. Gerne auch länger.
  6. Provozier’ mindestens drei fremde, Dir körperlich überlegene Menschen. Wie? Such’ Dir zB am Bahnsteig jemanden aus (größere, stärkere Statur) und starre sie ca. 15 Sekunden an. Wirst Du angesprochen, entschuldige Dich kurz und erkläre, Du hättest die Person für einen Bekannten gehalten.
  7. Ähnlich wie 5.: Nimm Kollisionskurs in einer Fußgängerzone auf und spiegel’ absichtlich den fischsgleichen Richtungswechsel des Entgegenkommenden; Ausweichen in letzter Sekunde nicht vergessen.

II. Ideen für Fortgeschrittene:

  1. Mindestens 10 % durch Sport und Ernährung abnehmen, falls Du Übergewicht hast.
  2. Einen Monat nur von bestehenden Vorräten oder extra Hinzuverdientem leben.
  3. 7 Tage um 5 Uhr aufstehen, dh um 22-23 Uhr zu Bett gehen. Gerne auch länger.
  4. Mit Straßenkunst mindestens 10 Euro einnehmen oder es wenigstens 2 Stunden lang versuchen. Jedes Mittel ist erlaubt: Musik (Instrumente/Singen), Schauspielerei, Malen, Standup-Comedy etc.

III. Ideen für Großmeister:

  1. Marathon/Ironman inkl.  Zieleinlauf.
  2. Nach Paris trampen.
  3. Kilimandscharo besteigen. Ohne übertriebene Trägerhorden.
  4. Eigene Ideen entwickeln!

Viel Glück!



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