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Kalt Duschen – Dein täglicher Endorphinrausch

verfasst von Felix Herzbach am 29. November 2009

Ich war bis vor wenigen Monaten Warmduscher. In der New York Times las ich dann über einige Vorteile von kaltem Duschen und entschied es als Komfortzonentraining mal auszuprobieren. Ich ahnte ja nicht, auf welch massive Obergewohnheit ich gestoßen war! Ein einfaches Drehen an der Wassertemperatur hat für mich dutzende tolle Effekte ausgelöst. Wer es nicht wenigstens für 21 Tage ausprobiert, verschwendet ein gewaltiges Potential, aber lies selbst!

Ich werde Dir jetzt erstens sagen, weshalb ich dauerhaft kalt dusche, um Dir dann zweitens einen Weg vorzuschlagen, wie Du Dir auch diesen erfrischenden Segen in Dein Leben holen kannst. Eine wichtige Einschränkung muss ich noch loswerden: Frauen sollten während Schwangerschaft und Menstruation ausschließlich warm duschen. Dass sich manche Conditioner unter kaltem Wasser schwerer ausspülen lassen, ist hingegen kein Grund.

Nie werde ich aufgeben, Kaltduscher zu sein…

  1. Weil ich garantiert nach 5 Minuten fertig bin und dadurch die Umwelt sowie mein Zeit- und mein Geldkonto schone.
  2. Weil ich mittlerweile süchtig nach dem Kick bin, mich jeden Morgen erfrischt, wach und lebendig zu fühlen.
  3. Weil ich schon morgens daran erinnert werde, ein frugales Leben führen zu wollen.
  4. Weil ich seltener krank bin und meine Haut verjüngt und sich mein Herz-Kreislauf-System bzw. die Durchblutung verbessert.
  5. Weil es eine phantastische Methode ist, vom Traum ins reale Leben mit einem sauberen Schnitt zu wechseln, was u.a. das luzide Träumen erleichtert.
  6. Weil mangels Dampf der Spiegel nicht beschlägt und – wichtiger! – die Schimmelgefahr sinkt.
  7. Weil es mich abhärtet bzw. ich kein Warmduscher mehr bin.

Kurz: Kalt duschen macht Dich glücklicher, gesünder, umweltschonender, reicher und zeiteffizienter. Keine so schlechte Liste, finde ich. Und Du? Nein? Konnte ich Dich noch nicht überzeugen? Ok dann lass uns ein bisschen mit (noch sehr vorsichtig gewählten) Zahlen spielen. Wenn Du 20 und ich 5  Minuten dusche, habe ich jährlich 91 1/4 Stunden gespart! Das sind 3 4/5 Tage jedes Jahr, also mehr als ein ganzer Monat, wenn Du den Zeitraum von 10 Jahren betrachtest. Ich lebe noch ca. 60 Jahre,  dh ich spare im Vergleich zu Dir mehr als 6 Monate in meinem Leben. In der Zeit lerne ich eine neue Sprache, mache eine Weltreise oder lese 50 Bücher. Jedenfalls stehe ich nicht entrückt wie ein Baby an seiner warmen Mutterbrust unter der Dusche. Rechne mal eigenständig auch die finanzielle Ersparnis aus (ich wette Du hast keine Ahnung, wieviel ein m³ Wasser kostet oder wieviel Du pro Duschminute verbrauchst). Wenn Dich diese beiden Argumente plus die Argumente in der Liste oben nicht überzeugen können und Du mir ernsthaft ohne Grund sagst, dass es nichtmal eine Testphase von 21 Tagen wert ist, lache ich Dich aus. Ernsthaft.

Ich werde Dir nun zeigen wie man zum Frischduscher wird. Dabei musst Du wissen, dass ich voraussetze, dass Du meinen Artikel über Gewohnheitsänderungen allgemein gelesen und verstanden hast. Im Folgenden werde ich nämlich nur auf die Besonderheiten aufzeigen, aber nicht das, was ich wie gesagt schon in den anderen Beitrag bzw. “vor die Klammer” gezogen habe, wiederholen.

(Gehe diese Tipps mindestens zwei Mal durch. Besser ist drei Mal, das dritte Mal nur Überfliegen. Die einfache Schritt-für-Schritt Anleitung ist in dem o.g. Artikel enthalten; das hier ist nur eine lose Sammlung von Empfehlungen)

  1. Post-its entlang Deiner Morgenroute. Jeder hat einen ungefähren Morgenablauf und dabei bestimmte Wege, die zurückgelegt werden. Kleb’ ein paar kleine Zettel als Erinnerung an Deine Entscheidung ans Bett (Wecker!), an Türen und auf jeden Fall auch im Bad. Diese Erinnerungen sind v.a. deshalb so wichtig, weil man nach dem Aufstehen nicht rational, sondern wie auf Autopilot geschaltet handelt. Und dieser Autopilot wird vom alten Unterbewusstsein gesteuert, das wir ja gerade ändern wollen. Technisch versierte Freaks können den Weckruf des Handys mit einer selbst eingesprochenen Sprachdatei besetzen à la “Hey, steh mal auf, Schnarchnase! Es ist ein wunderschöner neuer Tag. Achja und Du wirst gleich kalt duschen, das hast Du mir gestern ja versprochen!”. Leiser ist die Variante, sich am Vorabend “Erfrischungsdusche!” auf die Hände zu schreiben.
  2. Vorher warm sein. Du musst entweder schon warm aus dem Bett kommen oder Dich eben erst noch mit Sport (3×10 Liegestützen reichen völlig, ein Morgenlauf ist natürlich besser), Tee oder dicken Klamotten vorher aufwärmen. Wegen Deines Energieüberschusses wirst Du Dich dann viel eher einer abkühlenden Dusche aussetzen und sie vielleicht sogar als willkommene Erfrischung betrachten.
  3. Erst auf kalt stellen, dann anmachen. Jedenfalls sich nicht vor oder unter einen warmen Duschstrahl stellen. Erst Temperatur, dann Wasser. Klar?
  4. Kopf zuerst. Für mich immernoch die einfachste und schnellste Methode fürs Kaltduschen: Erst Kopf nass machen, dann Shampoo rein und erst beim Ausspülen voll unter die Dusche gehen. Wenn Du es zügig machst, bleibt schon gar keine Zeit für anderen Unsinn wie Zähneputzen unter der Dusche.
  5. Temperatur schrittweise senken. Jeden Tag ein bisschen runter drehen. Aber es gibt auch eine Temperatur, die man nicht unterschreiten soll. Im Winter muss man nicht mit 5 Grad kaltem Wasser duschen. Kalt zu duschen heißt nicht, sich mit Eiskübeln zu überschütten, sondern lediglich warmes und lauwarmes Wasser zu meiden. Du findest das schon raus… einfach temperaturmäßig gemächlich gen Südpol gehen und stoppen, wenn’s wirklich anfängt weh zu tun.
  6. Genieße die Zeit im kühlen Strahl. Das wird am Anfang nicht leicht fallen, aber es geht. Ich singe zB unter der Dusche, denke an einen rauschenden Wasserfall oder daran, wie ich als Kind im Regen gespielt habe. Du solltest diese Minuten mit Leichtigkeit füllen. Wusstest Du, dass  selbst absichtlich in Gang gesetztes Lachen  nachhaltig glücklich macht und sehr gesund ist? Das ist heute anerkannt. Wie schon die Überschrift verrät: Seit ich kalt Dusche, sind diese 5 Minuten ein leichter Rausch und diese positive Stimmung öffnet mich für die Möglichkeiten des Tages, während ich früher unter der Dusche quasi weiterschlief und verschlossen blieb.
  7. Bereite Deine Belohnung vor. Eigentlich übernimmt das schon der Körper, indem er Dich mit Endorphinen, freiem Atem usw. nach der Dusche belohnt. Du wirst auch angenehm “nachheizen” und Dich jung fühlen. Aber wenn das nicht reicht, bereite vorher eine Belohnung vor, zB ein schönes Frühstück.
  8. Ausnahmen einplanen. Fremdbestimmte Ausnahmen kann es praktisch nur in öffentlichen voreingestellten Duschen oder bei Paarduschen geben. Ansonsten ist man von äußeren Einflüssen frei, weil nur Warmwasser, aber niemals Kaltwasser “ausfallen” kann. Trotzdem darf man sich alle paar Wochen auch mal länger unter der warmen Dusche aufhalten oder warm baden.  Ich verwende das aber eigentlich nur noch alle paar Monate, wenn ich extrem verspannt bin, oder mich für andere Gewohnheitsveränderungen belohnen will.

Ich bin gespannt darauf, Dein Feedback zu lesen. Wer durchgehalten hat, sollte auf sich stolz sein und überlegen wie und ob es mit der neuen Gewohnheit weitergehen soll.



11 Kommentare zu "Kalt Duschen – Dein täglicher Endorphinrausch"

1 | seboNo Gravatar

14 . Dezember 2009 um 16:30 Uhr

mein lieblingsbeitrag ;-)

2 | Julia ScheuffeleNo Gravatar

15 . Dezember 2009 um 03:19 Uhr

bei meinen Eltern hatten wir nur dann Warmwasser, wenn wir davor den Badeofen mit Kohle und Holz gefeuert haben. Die Folge: morgens immer kalt duschen…

leider habe ich mir das dann als Erwachsene schnell abgewoehnt. Aber vielleicht probier ich es nach diesem Artikel mal wieder..
meine Mutter ist 79 Jahre alt und duscht taeglich kalt! Ich bewundere sie dafuer.

3 | Kalt duschen? - kein illegales Tagebuch

15 . Dezember 2009 um 03:45 Uhr

[...] Als Kind habe ich das ja fast taeglich gemacht. Aber warum? Na, lest selbst bei Aufsteigen.net die trifftigen Gruende [...]

4 | Felix HerzbachNo Gravatar

16 . Dezember 2009 um 10:12 Uhr

@Julia: interessante Geschichte! Denn auch wenn zivilisatorische Errungenschaften und das, was wir Fortschritt nennen, im Grunde begrüßenswert sind, so machen sie uns doch auch bequem und ineffizient. Die ständige Verfügbarkeit von zB warmen Wasser lockt uns in die Faulheit und die einzige Chance das zu überwinden, ist die gezielte Einübung frugaler Gewohnheiten. Das gilt aber genauso für Süßigkeiten, Fastfood, Informationen usw. Fang’ aber ruhig (und schrittweise) erstmal beim Duschen an. Nur: hör’ da nicht auf. VG Felix

5 | RincerNo Gravatar

26 . Januar 2010 um 00:13 Uhr

kaltduschen ist ein richtig dicker ficker, jeden morgen wieder. geil.

6 | Felix HerzbachNo Gravatar

26 . Januar 2010 um 12:16 Uhr

@Rincer: So sieht’s aus. :P

7 | MichaNo Gravatar

18 . Maerz 2010 um 06:59 Uhr

Jetzt werde ich sogar noch zum Kaltduscher und das frühs kurz nach um 6 (obwohl ich noch etwa ne Stunde hätte schlafen können). Hätte früher nie gedacht das ich sowas mache und mir sogar noch Spaß macht.

Bei dem Duschen sollte man allerdings noch darauf hinweisen, dass man es eigentlich anders rum machen sollte, also Beine und Hände zuerst und dann der Kopf – nicht dass hier ne 87 jährige begeisterte Mitleserin wegen dir nen Herzschaden erleidet.

Ich bin von Deinem Blog hier begeistert- nur weiter so!

8 | Felix HerzbachNo Gravatar

18 . Maerz 2010 um 10:53 Uhr

@Micha: Freut mich, dass es Dir gefällt. Verträglicher und genauso “aktivierend” ist es natürlich, erstmal nur die Extremitäten (Beine, Arme) kalt abzusprühen, um dann mit einem Schwung auf den Rücken zu gehen, dann Brust und dann erst Kopf. Ich mache das mal so mal so, aber Du hast Recht, dass Ältere wohl eher auf die von Dir beschriebene Methode vertrauen sollte. Letztendlich muss aber jeder selbst eine Routine finden, mit der der innere Schweinehund gebändigt wird. Ich dusche außerdem nur noch ca. alle zwei Tage komplett und wasche mir ansonsten nur kurz die Haare & das Gesicht. Geht schneller und ist hautschonender und hygienisch genug, wenn man den Rhytmus mit den Sporttagen abstimmt. Lg Felix

9 | Felix HerzbachNo Gravatar

25 . Mai 2010 um 06:51 Uhr

Update: Man kann sich auch sehr effektiv Aufwärmen, indem man 2-3 Tassen Tee oder heißes Wasser trinkt. Gerade wenn man faul ist oder keine Zeit für Sport hat, eine gute Alternative.

10 | JojoNo Gravatar

21 . Juni 2010 um 13:47 Uhr

Ich liebe Kalt Duschen.

Hier hast du auch eine gute Anleitung beschrieben.
Persölich mag ich es jedoch direkt kalt zu duschen.
Ist eigentlich 2x täglich Duschen ungesund?
Ich meine hiermit aber ca. 5Min. pro duschen.

Aber eins ist ja bekannt, beim Kaltduschen wird die Haut weniger belastet.

LG

Jo

11 | Felix HerzbachNo Gravatar

21 . Juni 2010 um 14:56 Uhr

@Jojo: Glückwunsch, den meisten Menschen fällt das sehr schwer. 2x täglich sollte ausnahmsweise kein Problem sein, wenn Du kalt duschst. Trotzdem würde ich es schon aus Zeitgründen nicht jeden Tag tun. Vllt.reicht ja auch ein kühler Schwall in’s Gesicht?

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