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Frugale Finanzgewohnheiten: die Kunst des richtigen Sparens

verfasst von Felix Herzbach am 29. November 2009

Reden wir über Geld. Genauer gesagt über den Aufbau finanziellen Vermögens. In den nächsten Minuten wirst Du erfahren…

  1. …warum es sich lohnt Vermögen aufzubauen.
  2. …welche grundsätzlichen Prinzipien es beim Vermögensaufbau zu beachten gibt (und warum es viel wichtiger ist weniger auszugeben, als mehr einzunehmen).
  3. …welche konkreten Schritte Du unternehmen kannst, um Deine Finanzgewohnheiten frugaler zu machen.

Finanzieller Erfolg kommt von innen. Und wir wollen denn auch ganz innen und ganz am Anfang beginnen, nämlich bei der Motivation. Du musst wissen, wozu das alles gut sein soll. Weshalb es Sinn macht, Vermögen aufzubauen und weshalb es keinen Sinn macht, gewohnheitsmäßig Geld verpuffen zu lassen. Ich möchte Dich davon überzeugen, dass finanzielle Unabhängigkeit und Macht besser sind als konsumbedingtes Vergnügen. Und dass es zwar gemeinhin üblich, aber verhängnisvoll ist, Geldausgeben mit Glücksempfinden gleichzusetzen.

Zuvor müssen wir aber noch klären, inwieweit es überhaupt sinnvoll ist, Geld und andere Vermögenswerte anzusammeln. Ich predige hier nicht die Sucht nach Geld; das Gegenteil ist der Fall. Ich bin lediglich der Meinung, dass Geld zu oft und zu pauschal und mit den merkwürdigsten Argumenten (vor allem in Deutschland) verachtet wird. Menschen glauben vor allem an das, was sie sehen. Aber ich glaube, dass die unsichtbaren Kräfte unserer Welt – und dazu gehört die Geldströme – die wirkungsvolleren sind. Denk’ mal selbst darüber nach, wie stark sich Dein aktuelles Vermögensvolumen auf Dein Leben auswirkt.

Warum es sich lohnt, Vermögen zu bilden:

  1. Vermögen als Problemlöser. Mit Geld kann man nicht alle Probleme des Lebens lösen. Aber deutlich mehr als Du glaubst. Fast jedes Problem dieser Welt, enthält ein finanzielles Problem oder ließe sich mit Geld lösen. Armut, Kriege, Seuchen und Diktaturen können mit Geld sehr wirkungsvoll bekämpft werden. Geld ist ein furchtbarer Meister, aber ein wundervoller Diener. Das gilt auch für Dich persönlich. Denke nur an ungewisse Ereignisse der Zukunft wie: Geburt eines (behinderten) Kindes, Hausbrand, Krankheit, Entlassung. Geld zu haben, schafft Sicherheit und Vertrauen in die Zukunft.
  2. Vermögen als geronnene Freiheit. Der Duden übersetzt “Vermögen” u.a. mit “Kraft”, “Fähigkeit” und “Macht”. Reichtum gibt Dir die Möglichkeit aus einer größeren Vielfalt von Optionen zu wählen. Du wirst Dich freier fühlen und auf die wesentlichen Dinge im Leben konzentrieren können.
  3. Vermögen als Vergrößerungsglas. Egal ob Du in die Skiferien gehst, oder Afrika retten willst – Geld wird Dir helfen, Deine Gedanken und Wünsche in der Realität umzusetzen. Was auch immer Du vorhast: Mit Vermögen hebelst Du Deine (hoffentlich guten!) Intentionen. Willst Du wirklich auf diesen Multiplikator verzichten?
  4. Vermögen als fruchtbarer Samen. Der Witz bei Vermögen ist ja: Je mehr man hat, desto rasanter wächst es. Jeder Euro ist ein Samen, der neue Samen produziert, die wiederum neue Samen produzieren usw.  Warren Buffet beschreibt das als wachsenden Schneeball. Aber unabhängig davon, wie man es sich bildlich vorstellt: Es geht sachlich um den Zinsezins-Effekt.  Ich helfe mir immer mit einer drastischen Hilfsrechnung: Wieviel sind 1 Euro in 50 Jahren bei 20 % angelegt? Na? Hier gibt’s die Antwort. Und hier für anfangs 1000 Euro. Heftig, oder? Natürlich habe ich mit 20 % hoch gegriffen und Inflation nicht berücksichtigt. Aber selbst bei vermeintlich realistischeren Werten wäre der Zinseszinseffekt noch verblüffend. Und dies alles, ohne dass Du dafür auch nur einen Finger krümmen müsstest!

Kennst Du die Formel für Vermögensaufbau? Sie ist eigentlich ganz einfach: Möglichst viel einnehmen und möglichst wenig ausgeben. Vermögensaufbau sind alle Einnahmen weniger der Ausgaben einer Person innerhalb eines bestimmten Zeitraums. “Frugalität” in diesem Beitrag bezieht sich erstmal nur auf die Obergewohnheit des “weniger Ausgebens”, also nur auf die Optimierung der Ausgabenseite.

Weniger auszugeben ist ohnehin deutlich wichtiger, als mehr einzunehmen. Du kannst so viel Geld verdienen wie Du willst: ohne frugale Finanzgewohnheiten auf der Ausgabenseite, wirst Du nie ein nennenswertes Vermögen aufbauen bzw. finanzielle Unabhängigkeit erreichen. Kennst Du Die Geschichten von Lottomillionären, die wenige Jahre später wieder hoch verschuldet sind? Oder hast Du Bekannte, die sich nach der Beförderung erstmal ein neues Auto gönnen, Urlaub machen und umziehen? Nochmal: Wenn Du die gleichen Fehler machst und genau so viel oder sogar mehr ausgibst, als Du einnimmst, wird es unmöglich für Dich, vermögend zu werden – ganz egal wie viele Tausende oder Millionen Euro Du im Jahr verdienst.

Das Ziel ist es, finanziell (!) weit unter seinen Möglichkeiten zu leben. Wir lieben es über Klein-Klein zu reden. Ist ja auch einfacher. Die Deutschen sind Meister im diskutieren darüber, wo es gerade die besten Milch-, Brot- oder Spritpreise gibt. Aber das ist nicht das Entscheidende! Es geht darum, überhaupt wesentlich weniger auszugeben, als man einnimmt. Es geht um das große Bild. Ein frugales Finanzleben bedeutet, anfangs etwa 10-30% der gesamten Einnahmen einzubehalten und diese Zahl langsam zu steigern. Von 30% auf 50%. Von 50% auf 70% usw., bis man von ungefähr 10% seines Einkommens gut leben kann. DAS bedeutet finanziell frugal zu leben und hat übrigens auch nichts mit geizig sein zu tun.

Wenn Du innerlich und äußerlich nachhaltig aufsteigen willst, musst Du an Deinen Ausgaben arbeiten. Da führt kein Weg dran vorbei. Du musst kapieren, dass das überhaupt nicht schlimm ist, sondern sogar viel Spaß und Dich selbstbewusster machen kann. Den Geldhahn langsam zuzudrehen, wird einige sehr gute Auswirkungen auf Dein (Sozial-)Leben haben. Sparen macht glücklich und frei und ist nur dann eine Spaßbremse, wenn Du es zulässt bzw. es versäumt hast, nach Alternativen zu suchen.  Lies mal ein paar Artikel zum Thema Gratifikationsaufschub und schau’ Dir dieses und dieses Video an; das hat meinen Blick auf die (finanzielle) Welt für immer verändert.

Die großen Schritte:

  1. Ausgaben aufzeichnen, Überblick verschaffen. Wenn Du Deine Ausgaben optimieren willst, musst überhaupt erstmal wissen, wieviel und für was Du Geld ausgibst. Du kannst mit Schätzwerten arbeiten, aber ich empfehle eigentlich, ein Haushaltsbuch zu führen. Ich hab’ mir eine kleine Excel-Tabelle gebastelt, der Du Dich gerne bedienen darfst (Screenshot 1; Screenshot 2; Download). Technisch weniger Versierte müssen altmodisch zu Stift und Papier greifen auf die tollen Auswertungsmöglichkeiten am Computer eben verzichten.
  2. Ausgaben als langfristige Investitionen betrachten. Jede Entscheidung Geld auszugeben, ist eine Investition. Denn wir hoffen im Austausch gegen Geld materielle und immaterielle Güter zu erhalten. Wenn Du Dich dieser Sichtweise anschließt, wirst Du auf den langfristigen Wert/Nutzen einer Ausgabe achten und sicherstellen, dass der Preis gleich oder niedriger als der Wert ist. Du wirst also jede Ausgabe präzise und klug bewerten. Daraus folgt (a), dass man Autos, Geräte, Häuser usw. nicht neu sondern gebraucht kauft, (b) dass man auf die ausgereiften Versionen eines Produktes wartet, also kein frühzeitiger Käufer (”early-adopter“) ist und (c) dass man Produkte nicht allein wegen der Marke erwirbt.
  3. Planvoll vorgehen. Du musst rational handeln. Der Mensch steht nicht über sondern ist Teil der Natur und unterliegt ihrer Regel von Ursache und Wirkung. Du kannst mit wenigen Impulshandlungen die Ursachen für Wirkungen setzen, die Dein ganzes finanzielles Leben für lange Zeit vernichten. Denk mal nur an Pokerabende, Impulskäufe bei Saturn oder Media Markt, aber auch an spekulative Börsengeschäfte, oder andere mit Hoffnung belegte Ausgaben. Du musst Dich vom Gedanken verabschieden, plötzlich reich zu werden. Sprich’ mal mit finanziell erfolgreichen Menschen. Die sind nicht über Nacht reich geworden – es sei denn eine Nacht dauerte 20 Jahre. Geleitet hat sie ein Plan, von dem sie überzeugt waren. Schreib’ Dir Deine Motive und konkreten Ziele auf. Denke in großen Dimensionen, aber handele in kleinen Schritten. Lies auch meine Tipps zur Gewohnheitsveränderung allgemein. Mein Ziel ist es zB schuldenfrei aus dem Studium zu starten. Was sind Deine Ziele und wie wirst Du sie (gelassen Schritt-für-Schritt) erreichen?
  4. Konditionen verhandeln. Du glaubst gar nicht, was man alles verhandeln kann. Mehr dazu später.

Die kleinen Schritte:

  1. Wohnung: Strom-, Gas- und Wasserverträge überprüfen und ggf. Anbieter wechseln.  Heizung und Kühlschrank runterdrehen. Glühbirnen austauschen. Geschirrspüler nutzen.
  2. Essen: Geh weniger aus. Lerne höflich abzusagen und Gegenvorschläge zu machen. Werde endlich erwachsen und lern’ wenigstens einfachstes Kochen. Alles was Dir gesundheitlich schadet, ist auch ein unnötiger Kostenfaktor: Snacks, Softdrinks, Fastfood, hochgradig verarbeitete Nahrungsmittel und rotes Fleisch. Für Wasser auch nur einen Cent zu zahlen, ist ungefaehr so sinnvoll, wie Luft zu kaufen. Noch drei Tipps zum Einkaufen: Finde erstens heraus, wann Dein Supermarkt verderbliche Ware (reife Früchte schmecken besser!) zu Spott-Preisen raushaut und zweitens, wann der Laden am wenigsten leer ist – das spart Zeit und Geld. Drittens und am wichtigsten: Kalkuliere Euro/Kalorien Verhältnisse! Du bekommst schnell raus, welche Nahrungsmittel regelmäßig gute Quotienten haben: Kartoffeln, Haferflocken, Reis. Aber achte auf eine ausgewogene Ernährung und spare nicht an der falschen Stelle, denn gesundes Essen ist wichtig für Dein Wohlbefinden und Deine gesundheitliche Zukunft.
  3. Kleidung: Kaufe gebraucht oder heruntergesetzt und vorzugsweise im Ausland. Wähle zeitlos schöne, kombinierbare Mode. Marken sind out. Pflege Deine Lederschuhe. Wasche seltener (weniger Verschleiß, Zeit- und Geldersparnis). Schmeiß Klamotten nur weg, wenn sie wirklich am Ende sind.
  4. Transport: Benutze im Nahverkehr kein Auto, sondern Dein Fahrrad (Gesundheit, Geld, Umwelt, Attraktivität). Im Fernverkehr empfehlen sich anstatt Bahn Mitfahrgelegenheiten und Busse. Vergleiche Flugpreise online.
  5. Bank: Sichere Dir die höchsten Tagesgeldzinsen.  Zahle auf keinen Fall Kontogebühren. Vielmehr: hol’ Dir kostenlose Kreditkarten (das ist übrigens keine Einladung, sie zu missbrauchen…).
  6. Medien: Lies Bücher kostenlos in öffentlichen Büchereien. Viele TV-Serien, Kinofilme und Musik kannst Du Dir im Internet legal runterladen. Wenn Du diesen “free ride” nicht willst, erwerbe Medien wenigstens online und gebraucht.
  7. Kommunikation: Kündige Dein Festnetztelefon; ein Handy mit dem richtigem Vertrag reicht. Finde heraus, ob Du zu viel für’s Internet zahlst. Kündige Dein Internet zuhause, wenn Du zB ein iPhone und Internet auf der Arbeit hast. Vergleiche Dein Handytarif mit dem Markt. Am besten Handy ohne Sim-Lock gebraucht eigenständig kaufen (eBay, Freunde) und dann nur die Freiminuten etc. mit geringer oder keiner Mindestvertragslaufzeit einkaufen.

Unsere Bildungseinrichtungen versagen, wenn es um die Vermittlung von elementarem Finanzwissen geht. Nichtmal BWL- oder VWL-Studenten bekommen beigebracht, wie man persönlich finanziell voran kommt. Daran hat auch niemand (Staat, Wirtschaft) ein Interesse. Und auch Deine Eltern, haben Dir nur unvollständige und zum Teil falsche Informationen mitgegeben. In den USA findet man auf jeder größeren Website einen riesigen Abschnitt über “personal Finance”; In Deutschland hat man nichtmal einen Begriff dafür. Der Punkt ist jedenfalls: Du musst Dein Schicksal in Geldfragen selbst in die Hand nehmen und Dich bilden und üben, sonst macht es niemand.

http://de.wikipedia.org/wiki/Heuchelei


3 Kommentare zu "Frugale Finanzgewohnheiten: die Kunst des richtigen Sparens"

1 | DoubleNo Gravatar

27 . Februar 2010 um 19:50 Uhr

Da stimme ich vollkommen überein, BWL/VWL Studenten haben ganua so wenig Ahnung wie meine Katze. Da sind die Meisten auf Gedei und Verderb an ihren Banker ausgeliefert bzw. learning bei doing.

2 | Felix HerzbachNo Gravatar

23 . Mai 2010 um 16:19 Uhr

Merkwürdig, oder? Wieso wird das nirgends gelernt? Wieso bekommen wir Kunst, Sport und Religion mitgegeben, gesundes Finanzwissen aber nicht? Ich frage mich dann immer: cui bono? Man ahnt es…

p.s.: http://de.wikipedia.org/wiki/Cui_bono

3 | Felix HerzbachNo Gravatar

23 . Mai 2010 um 16:19 Uhr

Merkwürdig, oder? Wieso wird das nirgends gelernt? Wieso bekommen wir Kunst, Sport und Religion mitgegeben, gesundes Finanzwissen aber nicht? Ich frage mich dann immer: cui bono? Man ahnt es…

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