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Die Macht der Gewohnheiten und wie Du sie zu Deinen Verbündeten machst (Schritte 1-2)

verfasst von Felix Herzbach am 29. November 2009

Überblick: Du liest gerade ein Herzstück dieser Website. Fast alles basiert auf den und vervollständigt bloß die im Folgenden darzustellenden Gedanken. Dieser Beitrag wird zunächst erläutern, was Gewohnheiten sind bzw. was ich mit Ober- und Untergewohnheiten meine. Wir werden uns dann anschauen, wie Du Obergewohnheiten in Deinem Leben entdeckst (Schritt 1) und bewertest (Schritt 2). Wenn Du in Folge dessen (hoffentlich) zum Schluss kommst, eine Deiner Obergewohnheiten ändern zu wollen, lies den ebenso wichtigen Folgebeitrag “Wie Du jede Gewohnheit in 21 Tagen auf den Kopf stellen kannst” (Schritt 3).

Gewohnheiten sind unglaublich stark wirkende Einflüsse auf unser Leben. Sie laufen als unbewusste Routinen ab und sind für 90 % unserer täglichen Entscheidungsprozesse und -resultate verantwortlich. Ihre Entdeckung (Schritt 1), Bewertung (Schritt 2), Änderung (Schritt 3) und später regelmäßige Kontrolle (Schritt 4) ist daher der Schlüssel zu mächtigsten Weiterentwicklungen der Persönlichkeit – zu dem, was ich Aufsteigen nenne.

Es gibt da aber ein Problem: Kein Mensch kann jemals auch nur annähernd alle seine unzähligen Gewohnheiten parallel beherrschen. Wirklich niemand. Denn der Mensch ist lächerlich einfach gestrickt. Hat er eine paar Gewohnheit zu beherrschen gelernt, verlottern andere. Es ist wie wenn nur ein einziger Fensterputzer für die Fenster des Burj Dubai Hochhauses verantwortlich wäre. Schon vor der Hälfte würden die ersten Fenster rabenschwarz. Seine Kapazität reicht einfach nicht.  Aber es gibt eine Lösung für dieses Polylemma: Man muss und sollte gar nicht versuchen, jede gelebte Gewohnheit zu jeder Zeit zu beherrschen! Und jetzt sag’ ich Dir auch warum: Wichtig ist ausschließlich die Entdeckung, Beurteilung, Veränderung und regelmäßige Überwachung der besonders zentralen Obergewohnheiten. Stell’ Dir diese Obergewohnheiten so vor, dass sie die “Mütter” vieler Untergewohnheiten sind. Wie Du diese eine Mutter “programmierst” , entscheidet darüber, ob ihre tausenden Kinder und Kindeskinder unerzogene Egoisten oder kompetente, hilfsbereite Persönlichkeiten werden. Oder stell’ es Dir wie einen logisch verästelten, aber auf einen Punkt zurückführenden (Stamm-)baum vor. Hier ein (übertriebenes) Beispiel:

Bsp. Auswirkungen einer Obergewohnheit

Es kommt zu einem Dominoeffekt der Gewohnheiten, der Dich entweder stärkt oder schwächer macht. Du willst stärkende Dominoeffekte auslösen und ich möchte Dir auf dieser Website u.a. zeigen, wie man das wieder und wieder schaffen kann.

Welche Gewohnheiten wirklich Deine Obergewohnheiten sind, die also gerade Dein Leben “im innersten zusammenhalten“, findest Du heraus, indem Du nach ihren Auswirkungen auf Dein Leben fragst.  Die wichtigste Auswirkung ist Zeit. Schlafgewohnheiten nehmen zB sehr viel Lebenszeit in Anspruch und sind für alle Menschen Obergewohnheiten. Ähnliches gilt für Ernährung, Bewegung und Duschen – tägliche, universell zeitraubende Routinen also. Es gibt aber daneben weitere mögliche Auswirkungen, vor allem auf Gesundheit, Wohlstand und Glücksempfinden, die Du auf jeden Fall ebenso in die Analyse einfließen lassen musst. Das hängt aber eher von Deinen persönlichen Zielvorstellungen ab. Wenn ich zB wegen gelegentlicher Zockerei eines Abends beim Poker ein Haus verwette und verliere, dann hat mich das zwar gar nicht mal so viel Lebenszeit gekostet. Aber dieses Suchen und Durchführen von Glücksspielen ist sehr wohl eine Obergewohnheit, denn sie wirkt sich uU extrem auf Wohlstand und Glück in meinem Leben, obwohl sie vielleicht niemals eine wirklich zeitraubende Routine war.

Es ist übrigens egal, ob Die Hauptgewohnheit in einem aktiven Tun oder Unterlassen liegt. Meistens hat eine Gewohnheit beide Elemente (Bsp: Wenn ich mir aktiv Fritten ins Gesicht stopfe, kann ich nicht gleichzeitig Öko-Salat essen, dh ich unterlasse letzteres). Aber nach meiner Erfahrung sind die Unterlassungs-Gewohnheiten deutlich einflussreicher, weil sie ein unbemerktes Schattendasein führen und ungehindert schalten und walten. Es ist viel leichter bloß die schon gepflegten Gewohnheiten zu untersuchen, als sich gezielt zu fragen was man gerade nicht als Gewohnheit pflegt bzw. wo unentdeckte Energiepotentiale schlummern. Ich will damit nur sagen: versteif’ Dich nicht auf das, was du tust, sondern fokussier’ Dich mehr und mehr auf das, was du nicht tust, obwohl es Dir hülfe.

Okay, jetzt kannst Du also die wichtigsten Obergewohnheiten in Deinem Leben entdecken (Schritt 1).  Das ist gut, aber erst der Anfang. Wir müssen uns jetzt um die Bewertung (Schritt 2) der Gewohnheit kümmern. Wir wollen nur an den schädlichsten Obergewohnheiten arbeiten und unsere Energie nicht auf bereits funktionierende oder nur wenig nachteilig wirkende Obergewohnheiten verschwenden. Das ist ein weiterer Filter. Wir erhalten im Schritt 2 also Klarheit über die Reihenfolge, in der wir die Obergewohnheiten attackieren werden (Eine nach der anderen, also keine Zwei- oder gar Mehrfrontenkriege!).

Wann aber ist eine Obergewohnheit so schädlich, dass wir sie als die veränderungsbedürftigste von allen empfinden sollten? Nun, der Schritt 2 heißt nicht ohne Grund “Bewertung”.  Er erfordert nämlich ein fundiertes, aber objektiv nicht 100%ig nachprüfbares Werturteil. Der Grad der Schädlichkeit bemisst sich vorwiegend danach, wie sehr die konkrete Obergewohnheit die Erreichung mindestens eines wichtigen persönlichen Lebensziels erschwert oder unmöglich macht. Je mehr und je wichtigere Lebensziele unter dieser konkreten Obergewohnheit leiden, desto schädlicher.

Wenn Du Dir unsicher sein solltest: Liste so 5-10 Obergewohnheiten aus Schritt 1 schriftlich auf und gehe jede einzeln durch. Vergib’ Schädlichkeitsgrade von 1-10. Aber folge Deinem Bauchgefühl, wenn es sich bemerkbar macht. Häufig weiß man nämlich auch ohne diese ganzen – zugegeben – komplizierten Methoden, welche Gewohnheit schon immer ein riesen Bremsklotz war und man ihn eigentlich nur noch loswerden will (zB Süchte wie Rauchen, Saufen, Essen).

Du solltest jetzt aus der Menge von Obergewohnheiten beurteilend in der Lage sein, die Schädlichste zu erkennen. Halte Dich aber nicht zu lange damit auf. Denn viel wichtiger als was Du wählst, ist dass du wählst. Merk’ Dir gut oder besser schreib auf, warum Du gerade diese eine Obergewohnheit als die momentan schädlichste ausgemacht hast. Das ist der “Motivationstreibstoff”, den Du für die Verhaltensänderung brauchst. Je konkreter Du begründen kannst, wieso eine bestimmte Obergewohnheit Dein Leben momentan oder in der Zukunft belastet, desto besser. Schreib’ wenigstens Stichpunkte auf.

Weiter geht’s hier mit: “Wie Du jede Gewohnheit in 21 Tagen auf den Kopf stellen kannst” (Schritt 3).

Das ist ein weiterer Filter


3 Kommentare zu "Die Macht der Gewohnheiten und wie Du sie zu Deinen Verbündeten machst (Schritte 1-2)"

1 | Macht der Gewohnheit | Ralf Bohnert - Life Learning

11 . Januar 2010 um 11:38 Uhr

[...] Sie meine Übersicht und Meinung über seinen Artikel nicht lesen möchten, kommen Sie hier direkt zum [...]

2 | Ralf Bohnert - Life LearningNo Gravatar

11 . Januar 2010 um 11:50 Uhr

Hi Felix,

super Blog und super Artikel. Habe eben auf meinem Blog eine Empfehlung dafür ausgesprochen und dich in meinen Blogroll aufgenommen.

Beim Trackback eins über meinem Kommetar hat er sich eine merkwürdige Zeile ausgesucht ;-)

Weiter so,
Grüße Ralf

3 | Felix HerzbachNo Gravatar

12 . Januar 2010 um 11:46 Uhr

@Ralf: Danke für die Blumen; der Trackback ist wirklich etwas arbiträr, aber so ist das mit Computern eben. Deine Seite finde ich übrigens auch sehr spannend und ich bewundere, dass Du so offen über Privates plauderst und Deine Biographie en détail darstellst. Da hast Du mir einiges voraus. Daumen hoch und ebenfalls weiter so, Dein Felix

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